Geschichte

Altenberg – Ein kurzer Abriß zur Geschichte

Seine Anfänge nahm Altenberg mit der vermutlich um 1060 errichteten Burg Berge, die der frühe Sitz der Berger Herren und Grafen war; Adolf I. nannte sich 1080 “de Berge” und 1090 in lateinischer Übersetzung “de monte”.

Besiedelung Altenbergs durch Mönche aus Morimond im Jahr 1133

Unter Adolf II. wurde1133 mit dem Bau eines Klosters für eine Delegation von Mönchen aus dem Zisterzienserkloster Morimond/Burgund begonnen; dieses Kloster wurde anstelle der zuvor teilweise abgebrochenen Burg gebaut, die zugunsten des neuen Stammsitzes der Berger Grafen in Burg a. d. Wupper aufgegeben worden war; jedoch kurze Zeit darauf wurde der Klosterbau gestoppt und ins Tal verlegt, welches mit dem Wasserlauf der Dhünn auch weitaus bessere Voraussetzungen für die Einhaltung der zisterziensischen Bau- und Lebensvorschriften bot; im Jahr 1145 wurde bereits Kirchweihe gehalten.

In mehreren Bauabschnitten – die genauen Anfange sind unbekannt – entstand das Kloster Altenberg. Die Brüder Adolfs II., Everhard (zeitweise Mönch in Morimond) und Bruno (als Bruno II. Erzbischof von Köln), waren maßgebliche Mitinitiatoren der Klostergründung. Adolf trat nach 1160 in das Kloster Altenberg ein und starb dort wenig später; das Todesjahr ist unklar (spätestens 1170 und nicht 1152, wie vielfach behauptet). Adolf wurde in Altenberg begraben, womit die Tradition der Bestattungen in Altenberg für das bergische Herrscherhaus bis ins 16. Jahrhundert begründet wurde.
Erzbischof Bruno II. von Köln beschenkte das Kloster mit Ländereien, was den Grundstock für wachsenden Reichtum legte; der Grundbesitz dehnte sich bis auf die linke Rheinseite aus.

Tochterklöster Altenbergs

Die Zahl der Mönche betrug Ende des 12. Jahrhunderts bereits 107 zuzüglich 138 Konversen; fünf Tochterklöster wurden im 12. Jahrhundert gegründet: 1136/38 Marienthal bei Helmstedt, 1143 Lekno und 1175 Lond in Polen; 1170/71 Zinna, 1188 Haina.
1195 wird erstmals der Name “Altenberg” erwähnt, wohl zur Unterscheidung zum kurz zuvor im neuen Berger Stammsitz Burg a. d. Wupper (“Neuenberg”) eingerichteten Johanniter-Konvent.

Schlussweihe des Domes durch Wikbold von Kulm im Jahr 1379

1259 (nicht 1255, wie oft fälschlich angenommen) wurde der Grundstein für den Neubau der Kirche (Altenberger Dom) gelegt, 1276 wurden Chor und südliches Querhaus eingeweiht. Am 3. Juli 1379 erfolgt die Schlußweihe des Gesamtbaus zu Ehren der allmächtigen Gottvater, Sohn und Heiliger Geist, der allerseligsten Gottesgebärerin Maria, der 11000 Jungfrauen aus der Schar der heiligen Ursula, des hl. Benedikt von Nursia und des hl. Bernhard von Clairvaux durch den Bischof Wikbold von Kulm. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts florierte die Abtei. Sie war auch bedeutendes Wallfahrtsziel zu den Reliquien der 11 000 Jungfrauen der hl. Ursula (seit dem Ende des 12. Jahrhunderts). Dann begann der Niedergang, ausgelöst durch den Verlust von zwei Drittel der Ländereien aufgrund der Besetzung des linken Rheinufers durch die Franzosen.

Säkularisation im Jahr 1803

Mit dem Reichsdeputationshauptschluß 1803 wurde die Abtei aufgelöst und für andere Zwecke genutzt. Damit begann die Verwahrlosung der Anlagen sowie der Verkauf vieler Kunstschätze. 1815 wurde die Klosteranlage durch einen Brand zerstört, die Kirche schwer beschädigt und weiterem Verfall ausgesetzt.

Wiederherstellung im Jahr 1847

Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts Wiederherstellungsarbeiten an der Kirche (1847 Neueinweihung) und Neubauten im ehemaligen Klosterbereich, insbesondere seit Gründung des Altenberger Dom-Vereins durch Maria Zanders 1894.

Verfügung der simultanen Nutzung im Jahr 1857

1857 verfügte der preußische König eine simultane Mitbenutzung des Domes durch evangelische Christen. Eigenständige Kirchengemeinden wurden 1915 (katholisch) und 1950 (evangelisch) gegründet. Zuvor gehörten die Altenberger Gemeinden zu den benachbarten Kirchengemeinden (kath.: Odenthal [was bedeutet, dass die Tradition des kath. Gottesdienstes im Altenberger Dom seit seiner Errichtung quasi nie unterbrochen wurde]; evgl.: Schlebusch). Seit 1994 bis voraussichtlich zum Jahre 2001 umfassende Renovierungsarbeten durch das Land NRW an der Kirche.(verändert nach: Kieven, L.: “Kulturführer Rheinisch-Bergischer Kreis”, Bergisch Gladbach 1998: Heider, S. 83 f.)

Literaturauswahl zur Altenberger Geschichte (neuere Auswahl)

Zurstraßen, A.: Der Altenberger Dom, Geschichte und Kunst, München u. Zürich 1992. Heinen, Eu., Pilz, W.: Altenberg, Düsseldorf: Verlag Haus Altenberg, o.J. St. Mariä Himmelfahrt, Altenberg 1915-1990, Festschrift zum 75jährigen Bestehen der kath. Pfarrgemeinde Altenberger Dom, Odenthal-Altenberg 1990. Altenberg 1847-1857-1997, Festschrift, 150 Jahre Wiederherstellung, 140 Jahre Simultaneum, Ökumenerat Altenberg (Hrsg), Odenthal-Altenberg 1997. Mosler, H: Die Cistercienserabtei Altenberg, in: Germania Sacra neue Folge 2, Berlin 1965. Pfister, P.: Klosterführer aller Zisterzienserklöster im deutschsprachigen Raum. Straßburg 1997: Du Signe, S.293 ff.

Die Gründung des Zisterzienserordens im Jahre 1098

Autor: Norbert Orthen

Die Krise des Klosters um das Jahr 1000 und die Reform von Cluny

Etwa 500 Jahre nach Gründung des Benediktinerordens war für die meisten Klöster eine ernsthafte Krise angebrochen. Die Klöster waren im Laufe der Jahrhunderte durch Schenkungen und Zugewinn immer reicher geworden, so daß sich die Mönche einen zum Teil recht weltlichen Lebensstil angeeignet hatten und ihre geistlichen und geistigen Pflichten vernachlässigten. Gelübde und Klosterordnung nach der Regel des hl. Benedikt wurden oft nicht mehr beachtet. Gegen diese allgemeine Tendenz versucht bereits um das Jahr 800 Benedikt von Aniane (+821) mit einer groß angelegten Reform der fränkischen Klöster entgegenzuwirken. Seine Reformbewegung zerfällt jedoch mit dem Zusammenbruch des Karolingerreiches.

In Burgund aber knüpft Cluny, nachdem sich ab 888 die politische Landschaft verändert hatte, an die Reformbewegung Benedikt von Anianes an, die dort durch große Äbte, wie z.B. Odo, einem Freund Kaiser Heinrichs II., getragen wird und sich im 10. Jahrhundert von hier aus rasch in Europa verbreitet. Schon bald unterstehen in Europa etwa 1500 Klöster der strengen cluniazensischen Reform. Gottesdienst und Gebet bestimmen wieder das Leben der Mönche. Jedes Kloster der Reform untersteht unmittelbar dem Abt von Cluny. Diese einheitliche Leitung und strenge Disziplin bescherten dieser Reformbewegung eine fast 200jährige Blüte, die aber schließlich in ihrer liturgischen Kultur und zentralistischen Führungsstruktur doch auch wieder eine gewisse Erstarrung findet.

Weitere Reformbewegungen

Neben Cluny treten auch andere Kräfte und Klöster für die Reform des Mönchtums ein, wobei hier nur die Klöster Gorze bei Metz unter Abt Johannes (+974) und Brogne unter Abt Gerhard (+959) genannt seien, die ihrerseits wiederum eine Reihe von Klöstern beeinflussen konnten.

Neben diesen Wegen der Reform gibt es, vor allem in Italien, eine Tendenz, auf die Anfange des Mönchtums zurückzugreifen, indem neben der Beibehaltung der benediktinischen Regeln eremitische Ideale integriert werden. Hier sind z.B. der durch den hl. Romuald (ca. 952-1027) gegründete Orden der Kamaldulenser, der durch die Unterstützung des hl. Kardinals Petrus Damiani (1007-1072) großen Auftrieb erfährt, oder der durch Johannes Gualberti (ca. 1000-1073) gegründete Orden der Vallombrosaner anzuführen. Während die Kamaldulenser am Eremitenideal ebenso wie die vom hl. Bruno von Köln (+1101) gegründeten Kartäuser, die allerdings nie die Benediktinerregel annahmen, festhielten, entwickelte sich in Vallombrosa ein kontemplatives Ordensideal.

Auch unter den Kanonikern, die an den Kathedral- und Stiftskirchen saßen, findet die Reformbewegung ihre Anhänger. In Prémontré gründet Norbert von Xanten (+1134) einen Orden, der bereits zur Zeit seines Todes 614 Klöster und Zehntausende von Mönchen (Prämonstratenser) zählt. Norberts Orden verbindet benediktinisches Mönchtum mit apostolischer Arbeit, ist aber der Struktur nach ein Kanonikerorden mit augustinischer Ausrichtung. Vor diesem Hintergrund ist nun das, was in dieser Zeit von Cîteaux ausgeht, kein singuläres Ereignis.

Robert von Molesme und Cîteaux

In Molesme, einem von Cluny beeinflußten Kloster, bemüht sich der Abt Robert (*ca. 1028, +1111), der das Kloster 1075 mit Eremiten errichtet hatte, zusammen mit seinem Prior Alberich und einer Gruppe von Mönchen ebenfalls um ein strengeres Ordensleben im Sinne der Benediktinerregel. Als das Kloster aber infolge des anwachsenden Besitzes auch wieder in feudalistische Strukturen verfällt und weitere Reformen anstehen, kommt es innerhalb des Konvents von Molesme zu Widerstand, so daß der Abt mit 21 Anhängern im Jahr 1098 Molesme verläßt und sich südlich von Dijon in der Gegend von Langres in Cîteaux niederlaßt, wo er am 21. März 1098, dem Fest des hl. Benedikt, ein neues Kloster in abgelegener Lage gründet. 1099 muß Abt Robert jedoch auf päpstlichen Befehl und auf Bitten seines früheren Konvents nach Molesme zurückkehren. Die Leitung des neuen Klosters übernimmt Alberich, der frühere Prior. Unter seiner Abtsherrschaft (1099 -1108) erfolgt die kirchenrechtliche Bestätigung der Gründung und das Kloster wird unter den Schutz des Hl. Stuhles gestellt.

Alberichs neue Ordenssatzung

Abt Alberich legt die wesentlichen Punkte der neuen Ordenssatzung fest, in der es u. a. heißt:

Oberste Richtschnur der Reform ist die Reinheit der Benediktinerregel (puritas regulae) und Lebensorientierung nach der Regel (rectitudo regulae). Auch die Mönche sind fortan zur Handarbeit verpflichtet. Zu ihrer Unterstützung werden Laienbrüder in die Klosterfamilie aufgenommen. Schenkungen von kirchlichen Einkünften, Zehnten, Dörfern, Hörigen:, kultivierten Liegenschaften, Mühlen und Backöfen sind verboten. Klostergründungen dürfen nur in abgelegenen, unbewohnten Gegenden vorgenommen werden.

Diese Satzung bringt Cîteaux sogleich in Gegensatz zu Cluny und zeigt auf der anderen Seite gleichzeitig, wie überzeugt Alberich von der Ausbreitung der neuen Ordensreform ist. Auf ihn geht auch der Wechsel des Ordenskleides zurück Trug man bislang eine schwarze Ordenstracht, so trägt man jetzt ein weißes Gewand (Habitat und Kukulle) aus Schafswolle. Skapulier, Arbeitshabit und Reisekukulle sind jedoch aus grauem Stoff. Der weite, faltige Schnitt und der winterliche Pelzbesatz der Tracht von Cluny werden abgelehnt. Diese Änderung der Ordenstracht ist bei allen Reformen ein nicht zu unterschätzender Punkt der gegenseitigen Abgrenzung. Diese nicht nur äußerliche Abweichung des neuen Klosters führte in der Folgezeit zu jahrzehntelangen Auseinandersetzungen mit Cluny, dem Molesme ja unterstand.

Stephan Harding

Dem Abt Alberich folgte nach seinem Tod (26.1.1108) der Prior des Klosters, Stephan Harding, im Amt nach. Stephan Harding, ein adliger Engländer, war 1069 in das Benediktinerkloster Sherborne eingetreten und bei der Bedrohung der angelsächsischen Klöster durch die Normannen über Schottland und Italien nach Frankreich geflohen, wo er in Paris studiert hatte. Um 1085 tritt er unter Abt Robert in Molesme ein und schließt sich dort der Reformbewegung um den Abt an und zieht mit ihm nach Cîteaux. Als Abt forderte er für liturgische Geräte und Gewänder größtmögliche Einfachheit, die sich für den Orden prägend und bestimmend auswirken sollte.

In der Absicht, die reine, ursprüngliche Regel des hl. Benedikt anzustreben (rectissima via sancte regule), fanden die Zisterzienser so zu einem Ausgleich zwischen dem Opus Dei (göttlichen Offizium), der Lectio divina (geistlichen Lesung) und der Labor manuum (Handarbeit). Diese drei entscheidenden Stützen bedingen sich zum Teil gegenseitig. Der Verzicht auf Eigenkirchen und verpachtete, zinsbringende Klostergüter erfordert die Aufnahme von Laienbrüdern und macht zeitraubende Handarbeit auch der Mönche notwendig, wobei dies nur möglich ist, wenn das allzu feierliche und überladene Chorgebet der Cluniazenser reduziert wird. Hierbei wird das Opus Dei neu beseelt; Kürze, Einfachheit und Innerlichkeit werden (bis in die Baukunst hinein) kennzeichnend für den neuen Orden.

Die Lectio divina findet ihren Ausdruck in neuen Formen der Frömmigkeit, wie der Verehrung des Herzen Jesu, der Fronleichnamsfrömmigkeit und besonders der Marienverehrung. Aber auch die Vorliebe zur Geschichtsschreibung resultiert aus der Liebe zur Lectio (erwähnt sei hier neben vielen großen Namen wie Otto v. Freising, Herbert v. Clairvaux, Konrad v. Eberbach u. a. etwa Caesarius von Heisterbach). Ein Ausdruck des Labor manuum ist die Leistung des Ordens als Kulturpionier in den Grenzregionen Europas (hier sind im 12. und 13. Jh. vor allem die Kolonisation der osteuropäischen Länder durch deutsche Zisterzienser zu nennen und die Leistungen des Ordens etwa in den Bereichen Pferde- und Fischzucht, Obstzucht, Obst- und Weinanbau und auch im Bergbau).

Das Kloster von Clairvaux

Nachdem sich etwa ab 1110 durch Schenkungen die wirtschaftliche Lage des Klosters verbesserte, beginnt der Konvent von Cîteaux zu wachsen. Der entscheidende Schritt für den Orden steht aber noch bevor: 1113 tritt der burgundische Adlige Bernhard von Fontaine mit etwa 30 Freunden und Verwandten in das Kloster ein. Die Ankunft Bernhards führt zu einem gewaltigen Aufschwung des neuen Ordens mitten im Einflußbereich von Cluny. Der nun einsetzende starke Zuwachs an Mönchen machte Neugründungen notwendig (von Clairvaux wird z.B. eine Konventsgröße von 700(!) Mitgliedern überliefert, wobei die meisten Mitglieder sicher Konversen sind; von Pontigny weiß man, daß auf 100 Mönche 300 Konversen kamen). Abt Stephan schickt bereits einen Monat nach Bernhards Eintritt zwölf Mönche nach La Ferté, um hier ein erstes Tochterkloster zu gründen. 1114 wird Pontigny, 1115 werden Clairvaux und Morimond gegründet. Gründerabt von Clairvaux wird der fünfündzwanzigjahrige Bernhard, der erst seit zwei Jahren dem Konvent angehört, dessen asketische Energie seinen Oberen aber nicht verborgen geblieben ist. (Hier stirbt Bernhard auch im Alter von 63 Jahren am 20. August 1153, nachdem er 40 Jahre Mönch und 38 Jahre Abt war.)

Die Primarabteien

Diese rasche Ausbreitung des Ordens erfordert nun eine Organisation, die Abt Stephan in der ,carta caritatias’ festlegt. Entscheidend hierin ist die weitgehende Selbständigkeit der einzelnen Klöster und ihrer Äbte. Den vier Primarabteien La Ferté, Pontigny, Clairvaux und Morimond wird neben dem Stammkloster Cîteaux eine gewisse Vorrangstellung zugestanden. In Cîteaux jedoch sollen sich die Äbte zum jährlichen Generalkapitel versammeln, das als oberste Aufsichts-, Regierungs- und Gerichtsinstanz des Ordens über die neuen Klöster wacht. Jährliche Visitationen dienen hierbei der Kontrolle und werden später nach erfolgter Filiation durch die jeweilige Mutterabtei durchgeführt.

Als Abt Stephan Harding 1133 stirbt, existieren bereits 75 Klöster; 20 Jahre später, beim Tod Bernhards, 355 Klöster, am Ende des 12. Jahrhunderts zählt der neue Orden 530 Klöster, die nach dem Wort Stephan Hardings sich ausrichten: “Wir wollen in einer Liebe, unter einer Regel und einheitlichem Brauchtum leben (una caritate, una regula similibusque viviamus moribus)” (Carta caritatias).

Bernhard von Clairvaux

Für die weitere Entwicklung des Ordens ist schließlich – wie oben angedeutet – das Wirken Bernhards von entscheidender Bedeutung. Bernhard machte als Abt von Clairvaux nicht nur Kirchengeschichte, sondern auch Weltgeschichte. Sein Name verschafft dem Orden in der römischen Kurie Ansehen und Einfluß. Clairvaux war zwischen 1125 und 1137 ein Mittelpunkt des Abendlandes. In dieser spannenden Zeit des Schismas, in der Bernhard zum Schiedsrichter berufen wurde und sich hinter Papst Innocenz II. stellte, in der Auseinandersetzung mit Abälard, zur Zeit des 2. Kreuzzuges und der grundsätzlichen Auseinandersetzung mit Cluny und der damit bedingten Festschreibung des eigenen Weges des neuen Ordens, kamen am 25. August 1133 Mönche aus Morimond auch zur Stammburg der Grafen von Berg, dem alten Berge (Vetus Mons), Altenberg, um hier ein neues Kloster zu gründen, das Monasterium s. Mariae de Berge, Vetus-Mons.

Ausgewählte Literatur

Schneider, Ambrosius: Die Geschichte der Cistercienser. In: Schneider, k u.a. (Hrsg): DieCistercienser. Geschichte-Geist-Kutist. Köln, 3.1986. Elm, Kaspar: Die Anfänge des Zisterzienserordens. In: Die Zisterzienser. Ordensleben zwischen Ideal und Wirklichkeit. Katalog der gleichnamigen Ausstellung in Aachen. Köln 1980. Décarreaux, Jean: Geschichte des benediktinischen Mönchtums. In: Benedictus. Symbol abendländischer Kultur. Stuttgart, Zürich 1997 Jedin, Hubert (Hrsg.): Handbuch der Kirchengeschichte. Band III, 10: Vom kirchlichen Frühmittelalter zur gregorianischen Reform. Herder, Freiburg etc. 1985, S. 523 – 525. Band III, 2: Die mittelalterliche Kirche vom Hochmittelalter bis zum Vorabend der Reformation. Herder, Freiburg etc. 1985, S.19 – 23. Lexikon für Theologie und Kirche. Band 10 (Teufel – Zypern). Herder, Freiburg 1965.S. 1382 ff

Vom Kloster zur Pfarrei

Als am 1. April 1915 Altenberg zu einer selbständigen Pfarrei erklärt wurde, war dies nicht nur ein Neubeginn, sondern zugleich auch der Abschluß einer Entwicklung, die viele Jahrhunderte weit zurückreicht und in der Errichtung der Zisterzienserabtei Altenberg grundgelegt ist.

Der ehemalige Seelsorgebezirk Odenthal

Der bereits am Anfang des 13. Jahrhunderts bestehende Seelsorgebezirk Odenthal umfaßte einen Bereich, der weit über die Grenzen der heutigen Pfarre Odenthal hinausging. Die verstreut wohnenden Gläubigen mußten oft einen Kirchweg von zwei Wegstunden zurücklegen, um am Gottesdienst in Odenthal teilnehmen zu können. Als nach Errichtung der Abtei Altenberg in der Klosterkirche für die auf den Besitzungen des Klosters wohnenden Laien öffentliche Gottesdienste abgehalten wurden, benutzten auch viele Odenthaler Pfarrkinder die nähergelegene Kirche, um ihren religiösen Pflichten nachzukommen. Um die Wende des 19. Jahrhunderts nahmen sogar mehr als tausend katholische Gläubige regelmäßig am Gottesdienst in Altenberg teil.

Für die Seelsorge bestimmte der Konvent eigens einen Mönch, der als Betreuer des Klostergesindes zugleich der Pfarrer des Altenberger Sprengels war Er übernahm die seelsorglichen Funktionen eines Pfarrers, predigte in der Sonntagsmesse, hielt Christenlehren ab. bereitete die Kommunikanten vor, versah die Kranken und führte (sicher seit 1758) das Register der im Altenberger Sprengel verstorbenen und in der Nähe der Abteikirche Bestatteten Gläubigen. Der Pfarrer von Odenthal behielt sich lediglich Taufen, Eheschließungen und Empfang von Stolgebühren vor und machte damit deutlich, daß letztlich auch die im Altenberger Bezirk wohnenden Gläubigen der Pfarre Odenthal zugehörten.

Verhältnisse nach der Säkularisation

Als im Jahre 1803 die Abtei Altenberg aufgehoben wurde, mussten die meisten Mönche das Kloster verlassen. Der Mönch und pastor familiae Franz Josef Welter, der 1800 den Pfarrdienst übernommen hatte, wurde von dem Aufhebungskommissar beauftragt, zusammen mir den Konventualen Konstantin Habrich und Reiner Rütten den Pfarrdienst in Altenberg weiter zu verrichten, bis eine Entscheidung über den Altenberger Pfarrbezirk getroffen sei.

Über die Verwendung von Kloster und Kirche tauchten nun die verschiedensten Pläne auf. Zunächst beabsichtigte man, die Abtei in ein Franziskanerkloster umzuwandeln. Als aber beschlossen wurde, das Franziskanerkloster in Wipperfürth zu errichten, plante man, die Altenberger Klosterkirche zur Pfarrkirche der Gemeinde Odenthal zu erheben, da die Kirche von Odenthal ohnehin für die dortige Gemeinde zu klein war Ein Teil der Abteigebäude sollte dann als Schule für die Jugend der Umgebung benutzt werden. Gegen diesen Plan aber erhoben nicht nur der Patron der Kirche zu Odenthal, Graf Wolff-Metternich, sondern auch die Odenthaler Handwerker, besonders die Bäcker und Wirte Einspruch, die aus dem starken Kirchenbesuch der Umgebung ihren Haupterwerb zogen.

Da man sich über die weitere Verwendung des Klosters und der Kirche nicht einigen konnte. verkaufte man 1806 die ganze Abtei an den Kölner Weinhändler Johann Heinrich Pleunissen. In diesem Kaufvertrag wurde dem Käufer, seinen Erben und Nachkommen auferlegt, die Kirche stehenzulassen und den katholischen Gottesdienst beizubehalten. Diese Verbindlichkeit wurde auch auf den Fall ausgedehnt. daß in der Folge das Kaufstück an andere, sogar protestantische Besitzer gelangen sollte.

Durch diesen Kaufvertrag war die Fortführung des katholischen Gottesdienstes und die seelsorgliche Betreuung des Altenberger Bezirkes durch Pater WeIter zunächst gesichert. Pater Welter wirkte unter den veränderten, für ihn recht schwierigen Verhältnissen bis zum Jahre 1813 und übernahm dann die Pfarrei Lützenkirchen.

Zerstörung der Klosterkirche durch Brand im Jahr 1815

Sein Gehilfe, Pater Habrich, blieb wahrscheinlich, bis am 7.11.1815 in den inzwischen zu einer chemischen Fabrik umgewandelten Klostergebäuden ein Brand ausbrach, der nicht nur die meisten Abteibauten vernichtete, sondern auch das Dach des Domes zerstörte. Damit aber wurde dem katholischen Gottesdienst und der seelsorglichen Tätigkeit im Altenberger Bezirk ein jähes Ende gesetzt.

Schon bald nach dem Brand wurde eine Kirchen- und Hauskollekte “zur Wiederbedachung der Kirche zu Altenberg” ausgeschrieben und durchgeführt, und nach Vollendung der Reparaturarbeiten Pläne zur Wiederaufnahme des Gottesdienstes und der seelsorglichen Betreuung des Altenberger Bezirks ausgearbeitet. Zur Verwirklichung dieser Pläne kam es allerdings nicht, da am 1.10.1821 die südöstliche Vierungssäule zusammenbrach und fünf hinter ihr stehende Säulen und die Orgelwand mit wegriß. Zwar wurde es dem damaligen Grundeigentümer Friedrich Leopold von Fürstenberg-Heiligenhoven verwehrt, die Kirche abzubrechen, um ihren Materialwert nutzbar zu machen, aber da es an ausreichenden Baugeldern fehlte, stellten sich schon bald neue Witterungsschäden ein, so daß Anfang 1830 das Vierungsgewölbe und drei Joche des Chorgewölbes zusammenbrachen.

Wiederherstellung der Kirche ab dem Jahr 1833

Unterdessen war die Frage nach der Ordnung der Altenberger Pfarrverhältnisse nicht zur Ruhe gekommen. Die Einwohner des Altenberger Bezirkes vermißten bei der großen Entfernung von jeder anderen katholischen Kirche schmerzlich den Gottesdienst in einem nähergelegenen Gotteshaus. Die dringenden Gesuche der katholischen Anwohner Altenbergs auf Wiederherstellung des lang entbehrten Gottesdienstes wurden vom Kölner Erzbischof Ferdinand August Graf von Spiegel nachdrücklich unterstützt. Um dem brennenden Bedürfnis abzuhelfen und zugleich der Wiederherstellung und der künftigen dauernden Unterhaltung des Gotteshauses eine feste Grundlage zu geben, setzte sich der Kölner Erzbischof für den Plan ein, den Altenberger Bezirk aus der Pfarrgemeinde abzutrennen und zu einer selbständigen Pfarrgemeinde zu erheben.

Der preußische König war nach längerem Zögern mit diesem Vorschlag einverstanden und erklärte sich bereit, zu den auf 9300 Talern veranschlagten Baukosten einen Zuschuß aus der Staatskasse zu zahlen. Aber erst vier Jahre später, am 11. 12. 1833 bewilligte er 8200 Taler zur Wiederherstellung der Kirche, machte dabei jedoch die einschränkende Bedingung, “daß daraus nicht ein neues Pfarrsystem gegründet, sondern die Kirche nur zu den gottesdienstlichen Verrichtungen der benachbarten Ortschaften, welche übrigens bei der Kirche zu Odenthal verbleiben, hergestellt werden soll”. Als dann im März 1834 Freiherr von Fürstenberg-Stammheim die Kirche von seinem Vetter käuflich erworben und diese zur Verfügung der königlichen Regierung gestellt hatte, erklärte sich der König auf Bitten des Kronprinzen in einer Kabinettsorder vom 16.8 1834 bereit, weitere 11800 bis 13800 Taler (also insgesamt 20000 bis 22000 Taler) für die vollständige Wiederherstellung der Kirche zu bewilligen.

Simultangebrauch

Er knüpfte allerdings an diese Bereitstellung die Bedingung, “daß die Kirche zum Simultangebrauch auch für das Bedürfnis der in der Umgebung wohnenden Evangelischen gewidmet wird”. Der Kölner Erzbischof erklärte sich am 12.11.1834 mit dieser Regelung einverstanden, versprach, nach Kräften mitzuwirken, daß der so dringende Hilfsgottesdienst eingeführt werde und schlug vor, “daß die Tage, an welchen evangelischer Gottesdienst in der Kirche zu Altenberg gehalten werden soll, ein für allemal fest bestimmt werden”, Als die Instandsetzung der Kirche ihrer Vollendung entgegenging, setzten Bestrebungen ein, den gemeinsamen Gebrauch des Domes durch beide Konfessionen zu erweitern. Trotz der am 22. September 1847 unter Teilnahme des Königs erfolgten Feier zur Vollendung der Kirche konnte deshalb kein Gottesdienst stattfinden. Im wesentlichen ging es dabei um die Frage, ob beim gemeinsamen Gebrauch der Kirche beide Konfessionen gleichberechtigt seien, ob die Kirche hinsichtlich der Benutzung von beiden Konfessionen räumlich oder zeitlich aufzuteilen sei und welcher räumlichen oder zeitlichen Aufteilung man den Vorzug geben sollte.

Die Verhandlungen zogen sich neun Jahre hin. Da griff der König in den Streit ein und entschied in einer Kabinettsorder vom 15. September 1856, daß “auf einem völligen Simultangebrauch der Kirche zu bestehen, und die Benutzung derselben unter beide Gemeinden mit möglicher Berücksichtigung der Bedürfnisse der Zeit nach zu teilen” sei. Daraufhin übergab am 3. Juli 1857 der Landrat Danzier von Mülheim der katholischen und der evangelischen Gemeinde die Kirche mit der Maßgabe, daß diese täglich von 8-10 Uhr und von 13-15 Uhr für den evangelischen, in der übrigen Zeit für den katholischen Gottesdienst zur Verfügung stehe. Noch im gleichen Monat, am 26.7.1857, fand durch den damaligen Pfarrer Müseler von Odenthal nach einer mehr als vierzigjährigen Unterbrechung mit einem feierlichen Dankhochamt der erste katholische Gottesdienst wieder statt. Der “Gebrauch” des Altenberger Domes ist also ein simultaner (juristischer Fachbegriff dafür: Simultaneum), die Kirche selbst, der Gegenstand des Gebrauches, ist weiterhin – ununterbrochen seit der Konsekration im Jahre 1373 – eine katholische Kirche.

Ein Rektor für Altenberg

Da die Kirche weiterhin als Annexkirche der Pfarrgemeinde Odenthal galt, ernannte der Kölner Erzbischof den Vikar Anton Josef Steinbusch zum Rektor (vicarius residens) und betraute ihn mit dem Gottesdienst und der Ausübung der Seelsorge an der Rektoratskirche Altenberg. Galt es in den ersten Jahren kirchliche Gegenstände und Paramente zu beschaffen, um den Gottesdienst würdig ausgestalten zu können, so waren die folgenden Jahrzehnte gekennzeichnet durch die ständigen Bemühungen, der Rektoratskirche eine größere kirchliche Selbständigkeit gegenüber der Pfarre Odenthal zu sichern.

Zunächst erhielt Altenberg einen eigenen Friedhof und der Rektor das Recht, die Verstorbenen seines Seelsorgsbezirkes dort zu bestatten. Wenig später erlaubte man ihm, das Sakrament der Taufe zu spenden und Wöchnerinnen auszusegnen. Gegen Ende des Jahrhunderts durfte Altenberg sogar seine eigene Fronleichnamsprozession abhalten.

Markuskapelle

Da die Benutzung des Domes für den katholischen Gottesdienst mehrere Stunden am Tage eingeschränkt ist, war es für den Seelsorger des Altenberger Bezirkes wichtig, einen Raum zu haben, in welchem der Gottesdienst zu keiner Zeit behindert war Die auf dem Gelände der ehemaligen Abtei gelegene Markuskapelle war seit der Aufhebung des Klosters stark vernachlässigt worden und diente lange Zeit als Trockenraum einer Tuchfabrik. Im Laufe des 19. Jahrhunderts ging sie in das Eigentum der gräflichen Familie Wolff-Metternich über, ohne jedoch ihrem ursprünglichen kirchlichen Zweck zugeführt zu werden.

Unter Rektor Franz Heynen wurde im Jahre 1897 mit der gräflichen Familie ein Vertrag geschlossen, der festlegte, daß die Kapelle zwar im Eigentum der gräflichen Familie verbleibe, der Kirchengemeinde aber das alleinige und ausschließliche Nutzungsrecht zusagte, solange die Kapelle stehe; dafür übernahm die Kirchengemeinde die dauernde Unterhaltspflicht der Kapelle. Die Kapelle, die sich zu diesem Zeitpunkt in einem trostlosen Zustand des Verfalls befand, wurde mit Mitteln des Staates und der Kirche renoviert. Prinz zu Sayn-Wittgenstein übertrug im Jahre 1967 schließlich die Kapelle in das Eigentum des Erzbistums. Sie wird zu vielen Gottesdiensten besonders kleinerer Gemeinschaften benutzt und ist aus dem Leben der Altenberger Gemeinde nicht mehr wegzudenken. In veränderter Form nach: 75 Jahre St. Mariä Himmelfahrt, Altenberg1915-1990. Festschrift zum 75jährigen Bestehen der katholischen Pfarrgemeinde am Altenberger Dom. Altenberg, 1990.

Rektoren und Pfarrer der Kath. Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt, Altenberg

Name Zeitraum
Mönche des Klosters bis 1815
Pfarrer von Odenthal bis 1859
Anton Josef Steinbusch 1859-1869
Anton Gustav Peil 1869-1887
Bertram Schmitz 1887-1889
Franz Heynen 1889-1897
Peter Josef Kaspar Gruiters 1897-1901
Peter Josef Mostert 1901-1909
Johannes Falkenberg 1909-1912
Heinrich Bosch 1912-1918
Leo Ditges 1918-1919
Otto Schuwirth 1919-1920
Helmut Martin Brinkmann 1920-1929
Josef Mäurer 1929-1940
Reiner Hütten 1940-1975
Msgr. Johannes Hausdörfer 1976-1995
Msgr. Johannes Börsch seit 1995

Zum 600sten Todestag des Bischofs Wikbold von Kulm

Autor: Norbert Orthen

Schlußweihe der Altenberger Klosterkirche im Jahr 1379

Am 28. Juni 1998 erinnerte die katholische Pfarrgemeinde am Altenberger Dom im Rahmen ihres Kirchweihfestes daran, daß vor 600 Jahren derjenige, der am 3. Juli 1379 die Schlußweihe der Altenberger Klosterkirche vollzogen hatte und der wohl der größte Förderer Altenbergs war, verstorben war. Gemeint ist Bischof Wikbold von Kulm.
Er starb am 21. Juli 1398 und wurde im Chor des Altenberger Domes vor dem Hochaltar in einem prachtvollen, mit Messingplatten verzierten Hochgrab beigesetzt, das leider zwischen 1821 und 1830, in der Zeit der Zerstörung der Kirche, verkauft und eingeschmolzen wurde, so daß heute kein sichtbares Zeichen mehr an ihn erinnert.

Biographie Wikbolds

Wikbold von Kulm wurde als Wikbold Dobbelstein am 26. Januar 1312 als Sohn des Dithmar Dobbelstein und seiner Ehefrau Margarethe vermutlich in Köln oder im niederrheinischen Herzogtum Limburg geboren. 1352 wird er als Kaplan des Hochmeisters des Deutschen Ordens Winrich von Kniprode und als Domherr in Kulm (östlich der Weichsel, im heutigen Polen) bezeugt. 1363 weihte ihn Papst Urban V., der in Avignon residierte, zum Bischof von Kulm. Robert Flink vermutet ,,alles, auch das Wappen des Deutschen Ordens auf seiner Grabplatte, spricht dafür”, daß der Deutsche Orden an Wikbolds Wahl zum Bischof beteiligt war, ,,war doch das Bistum Kulm … dem Deutschen Orden sogar inkorporiert”. 1375 wurde Bischof Wikbold jedoch im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen mit dem Landadel und dem Hochmeister der Deutschen Ordens überfallen und gefangengenommen.

Erst nach etwa 8 Wochen konnte der damals 63jährige Bischof seiner Kerkerhaft nach einer Zahlung von Lösegeld entkommen; mußte dann aber seine Diözese verlassen. Zunächst wohnte er in Koblenz, wo er ein Haus im Hof Vogelsang aus dem Besitz des Kartäuserklosters erwarb, von dem er sich 1387 wieder trennte. Schon kurze Zeit nach 1375, der Zeitpunkt läßt sich nicht mehr ermitteln, zog er zumindest zeitweise in den Altenberger Hof in der Kölner Johannisstraße, wo er schließlich ab 1386 bis an sein Lebensende, im damals hohen Alter von 86 Jahren, seine Wohnung nahm, und den er großzügig wiederherstellte. Auf jeden Fall mußte er bereits vor 1379 manchmal hier gewohnt haben, da er ja in diesem Jahr die Weihe des Altenberger Domes mit Erlaubnis und sicher auch im Auftrag des Kölner Erzbischofs Friedrich von Saarwerden (1370-1414) vornahm. 1385 resignierte er schließlich auf sein Bistum und mußte nun jahrelang um eine vom Papst zugestandene Rente in Höhe von 500 Gulden streiten.

Daß Wikbold Köln zu seinem Aufenthalt wählte, ist nicht verwunderlich, da Köln zu dieser Zeit eine der bedeutendsten Städte und vielleicht ja auch seine Geburtsstadt war. Eine andere Frage ist aber, wieso er gerade im Stadthof der Altenberger Zisterzienser seine Wohnung nahm. Hier vermutet Flink , und dies sicher mit Recht, daß Wikbold, “der als Bischof von Kulm die Lebensform des Deutschen Ritterordens kannte, diese als klösterliche Lebensform ablehnte und er im Wirken der Zisterzienser, möglicherweise eben auch der Altenberger sogenannten Kölner Klöstern, die so weit nicht von seinem ehemaligen Amtssitz entfernt lagen, das Ideal des klösterlichen Lebens erblickte: Beten und arbeiten, ohne Waffen, ohne je kämpfen und töten zu müssen im Namen des Herrn.”

Wikbolds Schenkungen an Altenberg

Erstaunlich ist aber, was Wikbold der Altenberger Abtei im Laufe der Jahre schenkte. Diese Schenkungen erfolgten aus seiner großen Verehrung der Gottesmutter Maria heraus (pro reverencia beatissime virginis dei genitricis), der die Altenberger Klosterkirche, wie alle Kirchen der Zisterzienser, geweiht war. Auch Wikbolds Siegel mit der stehenden Gottesmutter verweist hierauf. Flink listet in seinem Essay die wichtigsten Stiftungen für Altenberg auf, die Wikbold ab 1375 machte: “120 Gulden für die 4 westlichen (?) Gewölbe im nördlichen (?) Seitenschiff pro quattuor testudinibus in latere sinistro. 700 Gulden für die westlichen (?) 4 Gewölbe (Traveen) im Mittelschiff. 400 Gulden für die Fertigstellung des Daches. 400 Gulden für das Maßwerk im großen Giebelfenster im Westen: 400 florenos pro forma fenestre maioris ad ornatum faciei templi versus occidentem. 300 ungarische Goldgulden, um die Vollendung der Gewölbe und des Maßwerks des Westfensters zu fördern, für 2 Fuder Wein aus dem Hof Rolandswerth, eine Erbweinrente, die Altenberg 1379 für 900 Kölnische Mark von dem in Not geratenen Kölner Benediktinerkloster Groß Sankt Martin erworben hatte. 100 Gulden für den Fußbodenbelag und ein eisernes Lettnergitter zwischen Mönchschor und Kirchenschiff für die Laienbrüder oder Gläubigen oder für die Chorkapellen oder Eisengitter zur Abgrenzung der beiden von Wikbold geweihten Altäre. 500 Gulden (nach der Inschrift am Hauptaltar 600 Goldgulden) für die Restaurierung und Vergoldung des Hauptaltars: pro tabula altaris nostri maioris deauranda atque reformanda.

Wir nehmen an, daß es der berühmte 1302 gestiftete Reliquienaltar war, der gewiß unter anderen die Ende des 12. Jahrhunderts erworbenen Ursula-Reliquien enthielt. 650 Gulden für 7 große Leuchter zum Schmuck des Chores: 650 florenos pro septem can-delabris magnis pro ornatu chori ecclesie nostre. (Könnte der in Altenberg vorhandene Osterleuchter einer von diesen sein?) 500 Goldgulden gab Wikbold für das Gut Steinhaus in der Gemeinde Odenthal, das die Abtei 1379 gekauft hatte, dessen Erträge dem Hospital in Altenberg zugute kommen, wodurch … 7 Gulden für die Beleuchtung an den genannten Festen, z, B. an allen Marienfesten, ausgegeben werden müssen. 40 Gulden stiftete er für die Totenmesse und sein Grab in Altenberg. 200 ungarische Gulden schenkte er ohne besondere Zweckbestimmung offensichtlich beim Bezug des Klosters oder des Altenberger Hofes in Köln. Auch unterstützte er die Abtei bei anderen Bedürfnissen. 800 Gulden wandte er für die Wiederherstellung und den Ausbau des Altenberger Hofes in Köln auf. Das ergibt eine Gesamtsumme von 4710 Gulden.” Nimmt man die bekannten anderen Schenkungen noch hinzu, die Wikbold z. B. den Kölner Stiften St. Kunibert, St. Andreas, St. Georg, St. Severin, dem Zisterzienserinnenkloster Marienspiegel oder Sion in Köln oder dem Zisterzienserkloster Himmerod zwischen 1381 und 1390 machte, so beläuft sich die Gesamtsumme auf 11490 Gulden.

Ungeklärt bleiben muß wohl die Frage, woher Wikbold dieses Vermögen hatte. Die jährliche Rente von 500 Gulden war zwar beachtlich, sie erklärt aber nicht einen solchen Reichtum. Ob er ein reiches Erbe seiner Eltern angetreten hat, läßt sich heute nicht mehr sagen. Hingegen steht aber unzweifelhaft fest, daß Wikbold durch seine Zuwendungen wesentlich zu der Vollendung und Ausgestaltung der Altenberger Klosterkirche beigetragen hat. Letzteres ist erstaunlich, doch in einer Urkunde von 1395 wird ausdrücklich betont, “daß man eine möglichst große Schar von Gläubigen einladen wolle, auf daß sie der reichen Gnadengaben in Altenberg teilhaftig werden könne. Darum hielten die bildenden Künste Einzug in und an der Klosterkirche: in der Errichtung der Altäre; in der Verkündigungsgruppe draußen über dem Portal; mit dem großen Altenberger Allerheiligenfenster, zu dem Wikbold das Maßwerk stiftete; in der im Giebel draußen das Kloster schützenden Himmelskönigin … von den Ordensheiligen Benedikt und Bernhard begleitet.”

Wikbolds Grab in Altenberg

Die Altenberger Mönche wußten die großzügigen Schenkungen Wikbolds durchaus zu würdigen. Aus Dankbarkeit errichteten sie ihm nach seinem Tod ein außergewöhnliches Grabmal in der Mitte des Chorraums, dem ehrwürdigsten Platz im Kirchenraum. Es handelte sich hierbei um ein Hochgrab von ca. 310 x 172 cm Größe und einer Höhe (nach Jongelinus) von etwa 3 Fuß. Das Grabmal galt als das künstlerisch bedeutendste unter den ver-schwundenen Denkmälern des Domes. Es war ringsum mit Messingplatten bekleidet, die Passionsdarstellungen enthielten, auf der Deckplatte, in einer reichen gotischen Umrahmung, war Wikbold in seinem Bischofsornat in fünftürmiger Himmelsarchitektur dargestellt. (Hiervon hat sich glücklicherweise ein Papierabzug erhalten, den der Kölner Konservator Matthias Joseph De Noël noch vor der Vernichtung des Grabes (1821?) ausgeführt hat und der im Kölnischen Stadtmuseum aufbewahrt wird.) Zusammen mit dem goldenen Hauptaltar, dem goldenen Westfenster, den um 1400 etwa 26 Altären spiegelte das goldfarbene Hochgrab Wikbolds nun auch das neue Denken in der Frage der Ausstattung des zisterziensischen Gotteshauses wider. Es ist ein weiter Weg von der zisterzensischen Strenge der Klosterkirche der Zeit um 1275, wie sie sich in der Architektur und den Fenstern des Chores und im Nordfenster zeigt, bis zur Ausstattung um 1400 und weiter zum Barock hin.

Die Zerstörung des Grabs in Altenberg

Als nach der Säkularisation und Zweckentfremdung des Klosters und dem damit in Zusammenhang stehenden Brand in den Klostergebäuden im Jahre 1815, der auch die Kirche in Mitleidenschaft zog, Teile der Ausstattung aus dem Dom entfernt wurden, wurde auch das Grab Wikbolds nach über 400 Jahren gestört und schließlich oberflächlich völlig vernichtet. Der 1815 zuständige Odenthaler Pfarrer C. P. Braun, der möglichst viel in Altenberg zu retten suchte und der gegenüber dem Erzbistum auch genaue Mitteilungen über die Zerstörungen in der Kirche machte , vermerkte am 31. Dezember 1815 im Odenthaler Kirchenbuch: “Durch Abbrechung eines massiven kupfernen Kreuzes vor dem hohen Altare an der Grabstätte des seligen Wicboldi, Bischofs von Kulm, welcher über 400 Jahre allda begraben liegt, wurde diese Grabstätte aufgerissen, und dieser Bischof mit dem Sarge und Kleidung noch ganz unverwesen gefunden, und von vielen hundert Menschen gesehen worden.”

Anläßlich der 600-Jahrfeier der Weihe des Altenberger Doms im Jahre 1979 forderte bereits Robert Flink in seinem Aufsatz: ,,Unser Jubiläum 1379 – 1979 wäre der rechte Anlaß, dieses bedeutende Kulturdenkmal und künstlerisch vielleicht bedeutendste Grabmal in Altenberg genauer zu untersuchen und zu würdigen und gegebenenfalls wiederherzustellen.” Zwanzig Jahre sind seitdem fast vergangen; nichts ist in dieser Richtung bislang erfolgt. Vielleicht bietet aber die Erinnerung an den Todestag Wikbolds vor 600 Jahren heute die Gelegenheit, zumindest die Stelle seines Grabes im Altenberger Dom zu kennzeichnen, zumal im Zusammenhang mit der großen Gesamtsanierung der Kirche hierzu die Umstände besonders günstig wären. Auch wir, die wir heute staunend vor dem Westfenster stehen und die grandiose Architektur des Domes betrachten, sollten uns dankbar an Wikbold von Kulm erinnern oder erinnern lassen, diesen großen Wohltäter Altenbergs.

Anmerkung:
Die Übersetzung der umlaufenden Inschrift auf Wikbolds Grab lautet (in der Übertragung nach Flink): “Im Jahre des Herren 1398, am 21. Des Monats Juli, starb der ehrwürdige in Christus Geistlicher und Herr, Herr Wikbold, Bischof von Kulm, dessen Zeiten der Geburt und Bischofsweihe im folgenden Gedicht vermerkt werden: Siehe die Zeit des Frühlings und der Lilie führte mich (am Tage des heiligen) Polykarp (das ist der 26. Januar) in das Exil (in das Jammertal dieser Welt), der ich mit meiner Seele zum Himmel eile. Als Verstorbener höre ich auf zu sein, nachdem ich zweimal den heiligen Namen vollendet hatte und 31 (Jahre) durch die Gnade Gottes (als Bischof) geweiht und mit ihm verbunden war. Der Erde das Irdische (den Leib) zurückgebend, möge aber meine Seele, die für sich allein fortleben kann, jene Stille (der Ewigen Ruhe) schauen.”

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