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Altenberg und die Zisterzienser |
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Die "Altenberger"-Klöster in Polen: Lekno / Wagrowiec , Lond , Obra |
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Die Altenberger Pfarrgemeinde gedachte im Jahr 1998 mit einer Reihe von Veranstaltungen des 900jährigen Bestehens des Zisterzienserordens. Einer der innerpfarrlichen Höhepunkte war im September 1998 eine Wallfahrt nach Burgund, an die Ursprungsstätten des Ordens. Die historischen Beziehungen Altenbergs erstrecken sich jedoch nicht nur nach Westen. Vielmehr geht bereits im frühen Mittelalter eine wichtige Strömung von Altenberg aus in den Osten. 1143 wird von Altenberg aus Mariental gegründet (das dann von sich aus 1232 wiederum Hude gründet), 1153 Lekno, 1171 Zinna, 1188 Haina, 1193 Lond und schließlich über Lekno 1238 Obra. (Später, 1651, wird noch Derneburg von Altenberg aus gegründet.) Die Klöster Lekno, Lond und Obra liegen in Polen und wurden bis etwa 1553 von Äbten, die aus Altenberg kamen, geleitet. Auch der Konvent stammte in aller Regel aus dem Rheinland, so dass diese Klöster die "Altenberger"- oder "Kölner"- Klöster genannt wurden. Nach 1552/3 werden sie in polnische Klöster umgewandelt, die deutschen Zisterzienser kehren ins Rheinland zurück, die Beziehungen zum Mutterkloster reißen ab. Das Jubiläumsjahr bietet nun den Anlass, auch diese Beziehungen wieder zu beleben. Erste briefliche Kontakte zwischen Altenberg und den polnischen Klöstern bestehen zwar bereits seit Beginn der 90er Jahre, doch sollte nun ein intensivere, persönliche Beziehung aufgebaut werden. So reisten Anfang Oktober 1998 der Pfarrer von Altenberg, Msgr. Börsch, und der Verfasser, in seiner Funktion als Pfarrgemeinderatsvorsitzender von Altenberg, nach Polen, um neue Kontakte zu knüpfen und alte Beziehungen zu pflegen. |
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Lekno / Wagrowiec |
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Erste Station der Reise war Lekno. Lekno / Wagrowiec liegt ca. 50 km nördlich von Posen an der Welna, einem Nebenfluss der Warthe. Hier am Lekno-See hatten sich einst die Altenberger Mönche niedergelassen. Die Spuren des ersten Klosters waren jedoch nur schwer auszumachen. Hätte nicht das "Salzfenster" der Krefelder Künstlerin Renate Georgi, das aus Anlass der 900 Jahr-Feier dort im Ausgrabungsgelände errichtet worden war, den Weg gewiesen, die Reste der Mauern im Boden wären kaum zu finden gewesen. |
| Nur anhand der archäologischen Untersuchungen und Aufzeichnungen von Prof. Wyrwa war eine Orientierung möglich. Das Grabungsgelände mit den Bautenresten des Zisterzienserklosters liegt am süd-westlichen Ufer des Lekno-Sees, auf einer kleinen trockenen Bodenerhebung, die sich heute als eine Landzunge in den See einschneidet. | ![]() |
| Ursprünglich muss es sich um eine Insel oder Halbinsel gehandelt haben. Das Grabungsgelände umfasst etwa eine Fläche von 1 ha. |
| Das Kloster, das hier vermutlich bis 1392/96 gestanden hat, ist uns nur aus der Abbildung in der Altenberger Abtschronik bekannt. Computersimulationen aufgrund der Grabungsbefunde lassen aber augenfällige Ähnlichkeiten mit dieser Darstellung von 1517 erkennen. Sehr wahrscheinlich bedingt durch den sumpfigen Untergrund erwies sich der Standort in unmittelbarer Nähe des Sees als ungünstig für die Errichtung steinerner Klosterbauten. | ![]() |
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Da man dem Senkungsprozess des Bodens nichts entgegensetzen konnte, und die nördliche Fassade der Klosterkirche ihre Standfestigkeit verlor, beschloss man, das Kloster in die nahe Ansiedlung Wagrowiec zu verlegen. Schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts waren die aufgegebenen Bauten in Lekno verfallen, auch wenn das Gebiet noch bis zum 18. Jh. besiedelt war.
Die Grabungen in Lekno in den 50er und 80er Jahren lassen drei Bauten erkennen: "Die romanische Rotunde (Objekt "B"), der Zisterzienserkirchenbau A1 und A1~A2 sowie das Sakralobjekt "C". Die Rotunde zu Lekno ist ein orientiertes Bauwerk mit folgenden Maßen: Innendurchmesser des Schiffs - etwa 6,8 m; Außendurchmesser des Schiffs - etwa 9 m; Innendurchmesser der Apsis - etwa 3,6 m; Außendurchmesser der Apsis - etwa 5,6 m. Die Rotunde wurde im ersten Viertel des 11. oder am Anfang des 12. Jh. (±1120) errichtet. Bis jetzt wurde der vollständige Grundriss deren Erdgeschosses mit Fußbodenresten, der Altarstufe und Details der Ausschmückung des Innenraumes aufgedeckt. ... Anfänglich fungierte die Rotunde als Burgkirche, etwa seit 1153 dagegen als erste Zisterzienserklosterkirche. Der Zisterzienserkirchenbau A1 wurde wahrscheinlich in der Zeit um das Jahr 1250 gebaut. Er war eine einschiffige orthogonale Kirche mit einem gesonderten orthogonalen Presbyterium und einer ellipsenförmigen Apsis. Vom Westen stieß an sie eine orthogonale Vorhalle (?) an. Die Kirche hatte folgende Maße: Innenbreite etwa 10,00 bis 10,25 m; Innenlänge etwa 7,00 bis 7,25 m; Außenlänge 10,00 bis 11,00 m; Außenbreite etwa 14 m. Die Maße der Vorhalle wurden bis jetzt noch nicht genau festgestellt. Der Kirchenbau A1 + A2 wurde im Zeitraum von der Mitte des 13. Jh. etwa bis zum Jahre 1330 errichtet. Er ist eine in westlicher Richtung erweiterte Form des Kirchenbaus A1. Heute nimmt man an, dass er eine Länge etwa von 45,5 m ... sowie eine Breite etwa von 14 m (Außenmaße) hatte. Das Sakralobjekt "C", ein rechteckförmiges Bauwerk, wurde in den Jahren 1450 - 1540 gebaut. Es hatte eine Außenlänge etwa von 14,25 m und eine Breite etwa von 9 m (± 20 cm). Es war wahrscheinlich eine Friedhofskapelle (?). Die in Lekno aufgedeckten Reste der Sakralbauten hatten sich vor allem als Grundmauern erhalten. Es wurden auch Fragmente des Fußbodens des Zisterzienserkirchenbaus A1 und der Glasfenster sowie das keramische und Steinbaumaterial usw. gefunden. Alle obengenannten Objekte wurden im Rahmen der frühmittelalterlichen Burg lokalisiert, wobei das Sakralobjekt "C" auf den Resten des Zisterzienserkirchenbaus A2 aufgebaut worden war. Es ist anzunehmen, dass fortschreitende Ausgrabungsarbeiten, vergleichende Untersuchungen und Stilanalysen die dargestellten Angaben korrigieren werden. Wie oben gesagt, wurde die Abtei in der Zeit ab 1392/96 ins nahe Wagrowiec verlegt. Der neue Standort ist eine Insel, die von den Armen des Flusses Welna gebildet wird. Westlich schließt sich die schon entwickelte Stadt Wagrowiec an. Der Bau des neuen Klosters dauerte etwa 100 Jahre bis 1493. 1493 wurde der Hauptaltar der Klosterkirche geweiht, nachdem bereits ein Teil der Gebäude bis zum Ende des Jahres 1455 fertiggestellt war. Zwischen 1501 und 1528 erfolgte ein Umbau der westliche Klosterflügel. Ab 1553 wird das Kloster polonisiert. 1747 wurde das Kloster durch ein Feuer fast vernichtet, jedoch in der zweiten Hälfte des 18. Jh. wieder aufgebaut. Die Bauarbeiten wurden 1799 abgeschlossen. Nach der Säkularisation des Klosters 1835 wurde die Klosterkirche in eine Pfarrkirche umgewandelt, das Kreisgericht bezog die Klosterbauten. 1927 restaurierte man das gesamte Objekt. 1945 wurden die Klostergebäude und die Kirche ein Opfer der Flammen. Ein Großteil der historischen Ausstattung geht verloren. |
| In den zwischen 1948 und 1968 restaurierten Gebäuden wurde 1973 ein Altersheim für Priester des Erzbistums Gnesen eingerichtet, das aber inzwischen verlegt worden ist. | ![]() |
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Die Klostergebäude sollen in nächster Zeit wieder restauriert und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Die Klosterkirche trägt den Namen "Mariä Himmelfahrt und Petrus und Paulus". Die Kirche ist errichtet auf dem Plan eines Rechtecks von der Größe 25 x 40 m. Sie ist eine Hallenkirche mit drei Schiffen ohne abgesonderten Chorraum, verputzt und teilweise unterkellert. Der Kirchenraum hat ein Gewölbe, das von einem ziegelgedeckten Giebeldach überdeckt ist. Vom Westen gehen aus ihm zwei niedrige Türme mit flachen Zeltdächern heraus. Im Süden grenzt an die Kirche ein geschlossener Klosterkomplex, der den Klostergarten umschließt.
Die Klosterbauten sind heute ein rekonstruierter Bau im Stil des Spät-barock, teilweise aufgebaut auf den Fundamenten und Mauern des gotischen Vorgängerbaus. Die Architektur des Klosters lässt all-gemeine Merkmale der Schlossarchitektur vom Ende des 18. Jh. erkennen. Der Klosterkomplex ist von einer Mauer umgeben, die von einem Spätbarocktor (Ende des 18. Jh.) unterbrochen wird. Von der einst reichen Kirchen- und Klosterausstattung hat sich durch den Brand von 1945 fast nichts erhalten. Das wertvollste Kunstdenkmal, das den Zweiten Weltkrieg überstanden hat, ist eine hölzerne polychromierte Skulptur der Maria mit Kind aus dem Jahre 1510. Im Kreuzgang verweist eine Ausstellung auf die Geschichte des Klosters. Hier wird die Geschichte der Zisterzienser dargestellt und auch Altenberg als Mutterabtei ausführlich und anschaulich präsentiert. Hier in Wagrowiec fanden u. a. am 21. und 22. März in Anwesenheit des Erzbischofs Henrik Muszynski und Vertretern des Zisterzienserordens die überregionalen Feiern zum 900jährigen Bestehen des Zisterzienserordens statt. Die Geschichte des ehemaligen Klosters ist präsent und wesentlicher Teil der Geschichte der Stadt, wie auch das Heimatmuseum der Stadt zeigt. So war es nicht verwunderlich, dass beim diesjährigen Besuch der Altenberger das Wort "Altenberg" alle Türen öffnete. Im Vorfeld waren das Hotel gebucht, ein Termin mit dem Bürgermeister ausgemacht, zu dem auch alle Geistlichen aus Wagrowiec und Lekno sowie die Restauratoren, die z. Z. eine Holzkirche aus dem 14. Jh. (St. Nikolaus, zwischen Lekno und Wagrowiec) sanierten, geladen waren. Nachdem gegenseitig Gastgeschenke ausgetauscht worden waren, stellten sich "Mutter" und "Tochter" einander vor. Vermutlich war nach etwa 450 Jahren erstmals wieder ein offizieller Besuch aus Altenberg zu Gast. Entscheidend war aber, dass für die Zukunft eine intensivere Zusammenarbeit abgesprochen wurde. Alle waren der Meinung, dass die gemeinsame Vergangenheit eine gute Basis für ein zukünftiges Miteinander im Rahmen einer deutsch - polnischen Verständigung sein könnte. Nach dem Termin im Rathaus folgte eine Führung durch das ehemalige Kloster und andere Kirchen der Stadt. Die Pfarrer und der Bürgermeister führten selbst. Die Herzlichkeit der Aufnahme und die Gastfreundschaft waren beeindruckend. Für 1999 wurden die polnischen Vertreter zu einem Gegenbesuch nach Altenberg eingeladen, um die neuen Kontakte weiter zu intensivieren. Zufälligerweise war kurz vor dem Besuch in der o. g. St. Nikolaus Kirche bei Grabungen eine Münze aus dem 14. Jh. gefunden worden, die aus dem Herzogtum Berg stammte. |
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Lond |
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Das nächste Ziel der Reise war das Kloster Lond. Lond (pol. Lad) liegt an der Warthe, etwa 25 km westlich von Konin. Bereits 1994 hatte die kath. Pfarrgemeinde Altenberg von A. L. Busch, die 1944 in Lond die Fresken der damals als Mieczyslaus-Kapelle bezeichneten Jakobus-Kapelle restauriert hatte, deren Unterlagen für das Archiv erhalten. Aufgrund dessen hatte sich in den letzten Jahren mit Lond, d. h. dem heutigen Salesianer-Kloster, ein Briefkontakt entwickelt, in dem gegenseitig Informationen zur Geschichte Altenbergs und Londs ausgetauscht wurden. Ein persönlicher Kontakt war aber auch hier noch nicht entstanden. Wie auch bereits in Wagrowiec, so öffnete "Altenberg" auch hier alle Pforten. |
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Nach herzlicher Begrüßung erfolgte eine ausführliche Führung durch die Kirche und das Kloster, in dem heute die Salesianer ein Priesterseminar ihrer Ordensprovinz mit z. Z. fast 90 Seminaristen unterhalten. Hier in Lond hat sich das ursprüngliche Kloster, natürlich in seiner Weiterentwicklung, erhalten. Die großartige Anlage liegt unmittelbar am Ufer der Warthe. Um das 7./8. Jahrhundert entstand an der Warthe, an einem Handelsweg von Kalisz, eine slawische befestigte Burg: Lenda. Der großpolnische Herzog Mieszko der Alte stiftete hier 1175 eine Zisterzienserabtei. Die Zisterzienser von Altenberg übernahmen 1175 oder erst nach 1186, andere sprechen von 1193, das Kloster in Lond, indem sie dort eine Kirche und Klostergebäude errichteten. Die ältere Forschung geht noch von 1145 als Gründungsdatum aus. Die vermeintliche Stiftungsurkunde hat sich aber als eine Fälschung aus der 2. Hälfte des 13. Jh. herausgestellt. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden die Kirche und das Kloster aus den Mitteln des großpolnischen Starosten Wierzbieta von Paniewice und der groß-polnischen Ritterschaft erweitert. |
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Die deutschen Zisterzienser mussten 1553 nach Schlesien auswandern und die Abtei wurde nun wie die anderen Abteien der Altenberger Klöster von polnischen Mönchen übergenommen. Der Abt Johann Zapolski begann den Umbau der Kirche im Barockstil, der vom Abt Anton Lukomski 1743 vollendet wurde; in dieser Zeit baute man auch das Kloster um. Im Jahre 1796 eignete sich die preußische Regierung den größten Teil des Klostergutes an. Die Abtei wurde 1819 unter dem Druck der zaristischen Regierung aufgehoben. Die Kapuziner nahmen 1850 die vernachlässigten Objekte unter ihren Schutz, indem sie die Kirche und das Kloster reparierten. Die zaristische Regierung verbannte 1864 die Mönche zur Vergeltung für ihre Teilnahme am Januaraufstand nach Sibirien, der Abt wurde aufgehängt und Kirche und Kloster geschlossen; die bald zunehmend verfielen. Um das Denkmal zu retten, errichtete der Bischof von Wloclawek 1890 einen Pfarrsprengel an der Kirche von Lond. Schließlich nahmen die Salesianer das Denkmal im Jahre 1921 unter ihren Schutz, indem sie dort ein "Kleines Seminar" gründeten. Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges mussten die Salesianer Lond verlassen; die Kirche wurde von den Besatzern geschlossen und das Kloster in ein Konzentrationslager für 152 verhaftete Priester verwandelt. Unter den Inhaftierten war auch Bischof Michael Kozal eingekerkert, der später als Märtyrer in Dachau starb, wohin die Verhafteten von Lond aus transportiert wurden. Seit 1952 besteht in Lond ein höheres Priesterseminar der Salesianer Don Boscos. Von 1952 bis heute gingen aus dem Seminar weit über 400 Priester hervor. Zur Geschichte der Kirche und der Klostergebäude: Während der Jahre 1651-1743 arbeiteten am Kirchenbau berühmte Architekten: Thomas Poncino, Georg Catenazzi, Johann Konski, Pompeo Ferrari. Der Bau des älteren Teils der Kirche (Presbyterium und Querschiff) wurde 1711 beendet. Aus dieser Zeit stammen auch die Gewölbefresken, die im südlichen Teil des Querschiffs und an der Wand der kleinen Kuppel sowie im nördlichen Teil des Querschiffs vom Franziskaner Adam Swach und Zisterzienser F. L. Raedtke gemalt wurden. Das Gestühl wurde von dem Zisterzienser Bartolomeus Adrian 1680 geschnitzt. Der Hochaltar und der Altar der hl. Ursula im nördlichen Teil des Querschiffs entstanden in Schlesien in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. (Der Ursulaaltar mit seiner großen Zahl an Reliquienhäuptern, die ursprünglich über Altenberg hierhin gelangt sind, lässt ahnen, wie vielleicht die große Schautafel mit Ursulareliquien in Altenberg ausgesehen haben mag; soll Altenberg doch nach der Überlieferung allein über 1000 Häupter aus der Schar der hl. Ursula besessen haben.) Im Jahre 1730 beendet Pompeo Ferrari sein Werk mit dem Hauptschiff und der großen Kuppel (38 m. hoch). Die Malereien der Kuppel, ein Werk von Georg W. Neuhertz (1732) sind eine kurze Zusammenfassung der kirchlichen Theologie aus der nachtridentinischen Zeit. Ferrari hat drei der in Stuck gearbeiteten Altäre entworfen: den des hl. Kreuzes, des hl. Bernhard und des hl. Stephan (heute des hl. Johannes Bosco). Im Jahre 1734 baute der Zisterzienser Joseph Koegier die Orgel mit 20 Registern. Die Konsekration der Kirche erfolgte 1743 und wurde vom Erzbischof Cristoph Szembek vollzogen. Den Grundriss des 14. Jh. mit dem gotischen Kreuzgang und dem Zugang hat das Kloster behalten. Der Kreuzgang ist ausgeschmückt mit einem barocken Gemäldezyklus zum Leben des hl. Bernhard. Das Oratorium des hl. Apostels Jakobus (um 1372 von einem Kölner oder Altenberger Mönch ausgemalt und soeben frisch restauriert) und der aus dieser Zeit stammende Kapitelsaal, der 1725 in eine Kapelle verwandelt wurde, sind die wertvollsten Denkmäler. Im ersten Stock entstand 1722 ein neuer Kapitelsaal mit einem Fries, der die Porträts der Äbte zeigt, und einem Originalgewölbefresko, einem Werk von Adam Swach. Gegenwärtig befindet sich dort einer der Seminarhörsäle und der Lesesaal der Seminarbibliothek. Der Besuch in Lond endete mit einer hl. Messe, die die Seminaristen gestaltet hatten und in der Msgr. Börsch conzelebrierte. Auch in Lond war man von dem Plan begeistert, sich im nächsten Jahr in Altenberg bei einem Filiationstreffen wieder zu begegnen. Zudem wurde überlegt, wie auch innerkirchliche Kontakte zwischen Lond und Altenberg vertieft werden könnten. |
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Obra |
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Das letzte Ziel der Reise war Kloster Obra. Das Kloster liegt im gleichnamigen Ort und am Fluss Dojca, einem Nebenflüsschen der Obra. Der Ort liegt auf halber Strecke zwischen Zielona Góra (Grünberg) und Posen in der Nähe von Wolsztyn. |
| 1231 stiftete Sedziwòj aus dem Geschlecht Jelenczyk, der Grundbesitzer der Güter und Gnesener Domkapitular war, zur Errichtung eines Klosters als wirtschaftliche | ![]() |
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Grundlage 6 Dörfer mit Feldern, Wiesen, Wäldern, Seen, Mühlen und dem Recht zum Fischfang in den Flüssen Obra und Dojca. Die Stiftung wurde von Cîteaux bestätigt und ab 1238 kamen Zisterziensermönche aus Lekno nach Obra. Der Abt aber sollte aus dem Kloster Altenberg kommen. Nach der Reformation beschloss der polnische Sejm, dass Klöster auf polnischem Gebiet nur polnische Äbte haben dürfen. 1552 hat Obra den ersten polnischen Abt, Jan Wata Bylecki. Er ist der Baumeister der ersten gemauerten Klosterkirche im Jahre 1592 gewesen. Der Abt Andrzej Chlewski (1616 - 1633) baute ein neues, gemauertes Klostergebäude. Dieses Gebäude wurde in der Zeit der schwedischen Kriege (1655 - 1660) zerstört. In der nachfolgenden Zeit wurde es aber wiederaufgebaut, sowie um 1700 vergrößert und mit einer Wölbung geschmückt. Die Vollendung der Außenansicht mit Errichtung des Ostanbaus erhielt das Kloster zur Zeit des großen Baumeisters Abt Józef Michal Loka (1744 - 1756). Er beendete das Werk seines Vorgängers mit der Vollendung der Kirche und dem Bau der Wirtschaftsgebäude und des Organistenhauses. Mit dem Bau der Äbteresidenz wurde 1724 begonnen. Nach der Aufteilung Polens unter die drei Nachbarmächte im Jahre 1795 fiel Obra an Preußen. Das Kloster verlor sein ganzes Eigentum und wurde am 31. Dezember 1835 aufgehoben. Die Klostermauern blieben erhalten, die Zisterzienserkirche wurde als Pfarrkirche benutzt, die alte hölzerne Pfarrkirche des Ortes wurde zerstört. Auch die meisten Teile der Ausstattung und die Schätze des Klosters wurden versteigert und verkauft. Es gibt also nur wenige Andenken an die Zisterzienser. Genauso erging es der Bibliothek. Vier Mönche lebten hier noch bis 1852; dann wurde das Haus wegen Ausbruchs der Cholera geschlossen. In den Jahren 1852 -1854 bezogen Jesuiten das Kloster und von 1904 bis 1924 pensionierte Pfarrer der Diözese. Im Jahre 1926 kamen schließlich die Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria nach Obra und errichteten hier ein Höheres Priesterseminar. Während des Zweiten Weltkrieges, in den Jahren 1940 - 1941, wurde eine deutsche Polizeischule und später bis 1945 ein Krankenhaus für Tuberkulosekranke eingerichtet. Das Seminar nahm 1946 seine Tätigkeit aufs Neue auf. Bis 1997 beschlossen hier ca. 400 Pfarrer ihre Ausbildung, viele von ihnen arbeiten im Ausland oder als Missionare in allen Erdteilen der Welt. Zur Zeit hat das Seminar 97 Seminaristen. Die ehemalige Klosterkirche ist heute die Pfarrkirche St. Jakob. Sie wird von den Oblaten unterhalten. |
| Die Kirche wurde in den Jahren 1722 - 1756 höchstwahrscheinlich nach Plänen von Johannes Catanazzi gebaut. Sie ist ca. 49 m lang, 18 m breit, die Türme mit ihren Kreuzen ragen 28 m in die Höhe. Die Kirche wurde im Barockstil gebaut, und bildet mit dem Kloster eine Einheit. Die barocke Klosteranlage liegt an der Südseite der Kirche und umschließt mit einem Kreuzgang einen Innenhof von 19 x 19 m. Zwischen dem Presbyterium und dem Kirchenschiff befindet sich ein Türmchen mit einem Kirchenglöcklein. Den Vordergiebel der Kirche bilden zwei Türme mit dem Portal als Haupteingang. Das Innere der Kirche ist durch breite Pfeiler aufgeteilt und wiegenartig gewölbt. Die Kirche besitzt zwei Joche im Presbyterium, ein schmales, den Chorraum mit dem Schiff verbindendes Joch und drei Schiffsgewölbe. Im Presbyterium befindet sich der Hauptaltar. Über dem Tabernakel hängt ein großes, schönes Gemälde mit der Darstellung der Himmelfahrt Mariens, 1756 von Szymon Czechowicz gemalt. | ![]() |
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Über dem Gemälde befindet sich die Plastik des hl. Jakob, des Patrons der Kirche. An den Seiten der sarkophagartigen Altarmensa stehen zwischen zwei Säulen die Skulpturen des hl. Bernhards und des hl. Benedikts. Der hl. Bernhard hält ein Kreuz und Christi Martergeräte in der Hand, Benedikt das Buch der Mönchsregeln. Im Presbyterium steht das prächtige Chorgestühl. Darüber hängt ein Gemälde, das den hl. Bernhard zeigt, und zwei kleinere Bilder der hl. Elisabeth und des hl. Sebastian. Eine schöne, kleine Rokokokanzel aus dem Jahr 1759 und sechs Seitenaltäre aus den Jahren 1762-1764 befinden sich weiterhin im Kirchenschiff. Darunter sind vor allem ein Altar des hl. Kreuzes mit Skulpturen der Maria Magdalena und des Evangelisten Johannes auf der einen und den Figuren des hl. Petrus und der schmerzensreichen Gottesmutter auf der anderen Seite zu nennen. Ferner der Altar der Trostreichen Mutter Gottes. Das wundertätige Bild wurde nach 1690 von einem Abt aus Litauen geschenkt. In der Nähe des Chores befindet sich der etwas kleinere Johannes Nepomuk Altar mit dem knienden Königssohn. Das Bild des hl. Johannes wurde von Feliks Seyfried gemalt, ebenso wie die Bilder der hl. Ursula und des hl. Bernhard über den entsprechenden Altären. Im mittleren Joch findet sich der Altar des hl. Eugen Mazenod, des Begründers des Oblatenordens. Auf allen Altären steht ein Kopfreliquiar aus der Schar der hl. Ursula. Auch hier wird so Altenberg wieder ganz nah. Das Kuppelgewölbe wurde in den Jahren 1753 - 1754 von Stanislaw Brzozowski aus Posen gemalt. Es stellt dar: a) über dem Hauptaltar: die Festsetzung des Fronleichnamsfeiertags durch Papst Urban den IV. im Jahre 1264, der mit seiner Bulle "Transiturus" diesen Feiertag für die ganze Kirche bestimmte. b) über dem Chorgestühl: "Lactatio sancti Bernardi". Der hl. Bernhard wird von der Mutter Gottes mit Milch und von Jesus mit Blut genährt. Nebenan die hl. Robert und Alberich, die Begründer des Zisterzienserordens. c) am schmalen Joch: Gott Vater mit der Erdkugel und der Aufschrift "Dem König der Ewigkeit". An der Seite sitzt Chronos mit Wappenschildern der Äbte. d) über der Kanzel: das Jahr 1138, in dem das große Schisma in der Westkirche ihr Ende fand. Es starb Antipapst Anaklet der II.. Der neue Antipapst Victor der IV. legt seine Tiara vor dem rechtmäßig gewähltem Papst Innozenz II. nieder. Neben dem Papst steht der hl. Bernhard. Die zweite Szene stellt den Gegner des Papstes, den König von Sizilien Roger den II. dar. Roger überfällt St. Bernhard bei der Lesung der hl. Messe. Bernhard wendet sich mit der Hostie in der Hand an den Gegner und sagt: "Mit der Macht dieses Gottes, den ich in meiner Hand halte, verbiete ich dir, dich je wieder in die Angelegenheiten der Kirche einzumischen". Der König fällt gelähmt zu Boden, seine Soldaten tragen ihn hinaus und retten ihn vor dem Tode. e) in der Mitte des Kirchenschiffes: "Christus der Richter und die Mutter Gottes als Fürbitterin". Christus der Richter erteilt der Welt einen Verweis. Die knienden Zisterzienser mit ihrem Abt bitten die Mutter Gottes um ihre Fürsprache, damit Gott sie nicht strafe. Vor Gott demütigen sich Laien verschiedener Völker. Der Pole unter ihnen ist der Maler selbst. f) über dem Chor die Szene "Canate Deo" - singen wir dem Herrn! Interessant war auch der Blick in die Krypta mit Särgen der Zisterziensermönche aus dem 18. Jh. Sehenswert sind im Kloster noch die Sakristei mit ihren Schränken, Kommoden, den Malereien und Türen aus der Zeit um 1760. Im Kreuzgang informiert auch hier eine Ausstellung über die Geschichte Obras als Zisterzienserkloster und die Arbeit der Oblaten. Wie zuvor in Wagrowiec und Lond war auch hier in Obra die Erinnerung an Altenberg lebendig, und man war froh, Gäste aus Alter-Berg begrüßen zu können. Die Reise zu den drei polnischen Klöstern soll, dieser Wunsch wurde von beiden Seiten geäußert, kein singuläres Ereignis bleiben. Im Rahmen eines engeren Zusammenwachsens in Europa liegt in diesen Kontakten auch eine ganz individuelle Chance, auf gemeinsamen Wurzeln neue, gemeinsame Wege in die Zukunft zu beschreiten. |
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