Altenberger Dom
im Bergischen Land
Nordrhein-Westfalen
 


 

 
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Der Bergische Dom
Geschichte

 
 

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Zum 600sten Todestag des Bischofs Wikbold von Kulm
Autor: Norbert Orthen 

 

1. Schlußweihe der Altenberger Klosterkirche im Jahr 1379

 

2. Biographie Wikbolds

 

3. Wikbolds Schenkungen an Altenberg

 

4. Wikbolds Grab in Altenberg

 

5. Die Zerstörung des Grabes
 

 

 

 

Zum 600sten Todestag des Bischofs Wikbold von Kulm

 

1.  Schlußweihe der Altenberger Klosterkirche im Jahr 1379

Am 28. Juni 1998 erinnerte die katholische Pfarrgemeinde am Altenberger Dom im Rahmen ihres Kirchweihfestes daran, daß vor 600 Jahren derjenige, der am 3. Juli 1379 die Schlußweihe der Altenberger Klosterkirche vollzogen hatte und der wohl der größte Förderer Altenbergs war, verstorben war. Gemeint ist Bischof Wikbold von Kulm.
Er starb am 21. Juli 1398 und wurde im Chor des Altenberger Domes vor dem Hochaltar in einem prachtvollen, mit Messingplatten verzierten Hochgrab beigesetzt, das leider zwischen 1821 und 1830, in der Zeit der Zerstörung der Kirche, verkauft und eingeschmolzen wurde, so daß heute kein sichtbares Zeichen mehr an ihn erinnert.

 

 


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2.  Biographie Wikbolds

Wikbold von Kulm wurde als Wikbold Dobbelstein am 26. Januar 1312 als Sohn des Dithmar Dobbelstein und seiner Ehefrau Margarethe vermutlich in Köln oder im niederrheinischen Herzogtum Limburg geboren. 1352 wird er als Kaplan des Hochmeisters des Deutschen Ordens Winrich von Kniprode und als Domherr in Kulm (östlich der Weichsel, im heutigen Polen) bezeugt. 1363 weihte ihn Papst Urban V., der in Avignon residierte, zum Bischof von Kulm. Robert Flink vermutet ,,alles, auch das Wappen des Deutschen Ordens auf seiner Grabplatte, spricht dafür", daß der Deutsche Orden an Wikbolds Wahl zum Bischof beteiligt war, ,,war doch das Bistum Kulm ... dem Deutschen Orden sogar inkorporiert". 1375 wurde Bischof Wikbold jedoch im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen mit dem Landadel und dem Hochmeister der Deutschen Ordens überfallen und gefangengenommen. Erst nach etwa 8 Wochen konnte der damals 63jährige Bischof seiner Kerkerhaft nach einer Zahlung von Lösegeld entkommen; mußte dann aber seine Diözese verlassen. Zunächst wohnte er in Koblenz, wo er ein Haus im Hof Vogelsang aus dem Besitz des Kartäuserklosters erwarb, von dem er sich 1387 wieder trennte. Schon kurze Zeit nach 1375, der Zeitpunkt läßt sich nicht mehr ermitteln, zog er zumindest zeitweise in den Altenberger Hof in der Kölner Johannisstraße, wo er schließlich ab 1386 bis an sein Lebensende, im damals hohen Alter von 86 Jahren, seine Wohnung nahm, und den er großzügig wiederherstellte. Auf jeden Fall mußte er bereits vor 1379 manchmal hier gewohnt haben, da er ja in diesem Jahr die Weihe des Altenberger Domes mit Erlaubnis und sicher auch im Auftrag des Kölner Erzbischofs Friedrich von Saarwerden (1370-1414) vornahm. 1385 resignierte er schließlich auf sein Bistum und mußte nun jahrelang um eine vom Papst zugestandene Rente in Höhe von 500 Gulden streiten.

Daß Wikbold Köln zu seinem Aufenthalt wählte, ist nicht verwunderlich, da Köln zu dieser Zeit eine der bedeutendsten Städte und vielleicht ja auch seine Geburtsstadt war. Eine andere Frage ist aber, wieso er gerade im Stadthof der Altenberger Zisterzienser seine Wohnung nahm. Hier vermutet Flink , und dies sicher mit Recht, daß Wikbold, "der als Bischof von Kulm die Lebensform des Deutschen Ritterordens kannte, diese als klösterliche Lebensform ablehnte und er im Wirken der Zisterzienser, möglicherweise eben auch der Altenberger sogenannten Kölner Klöstern, die so weit nicht von seinem ehemaligen Amtssitz entfernt lagen, das Ideal des klösterlichen Lebens erblickte: Beten und arbeiten, ohne Waffen, ohne je kämpfen und töten zu müssen im Namen des Herrn."

 

 


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3.  Wikbolds Schenkungen an Altenberg

Erstaunlich ist aber, was Wikbold der Altenberger Abtei im Laufe der Jahre schenkte. Diese Schenkungen erfolgten aus seiner großen Verehrung der Gottesmutter Maria heraus (pro reverencia beatissime virginis dei genitricis), der die Altenberger Klosterkirche, wie alle Kirchen der Zisterzienser, geweiht war. Auch Wikbolds Siegel mit der stehenden Gottesmutter verweist hierauf. Flink listet in seinem Essay die wichtigsten Stiftungen für Altenberg auf, die Wikbold ab 1375 machte:

"120 Gulden für die 4 westlichen (?) Gewölbe im nördlichen (?) Seitenschiff pro quattuor testudinibus in latere sinistro. 700 Gulden für die westlichen (?) 4 Gewölbe (Traveen) im Mittelschiff. 400 Gulden für die Fertigstellung des Daches. 400 Gulden für das Maßwerk im großen Giebelfenster im Westen: 400 florenos pro forma fenestre maioris ad ornatum faciei templi versus occidentem. 300 ungarische Goldgulden, um die Vollendung der Gewölbe und des Maßwerks des Westfensters zu fördern, für 2 Fuder Wein aus dem Hof Rolandswerth, eine Erbweinrente, die Altenberg 1379 für 900 Kölnische Mark von dem in Not geratenen Kölner Benediktinerkloster Groß Sankt Martin erworben hatte. 100 Gulden für den Fußbodenbelag und ein eisernes Lettnergitter zwischen Mönchschor und Kirchenschiff für die Laienbrüder oder Gläubigen oder für die Chorkapellen oder Eisengitter zur Abgrenzung der beiden von Wikbold geweihten Altäre. 500 Gulden (nach der Inschrift am Hauptaltar 600 Goldgulden) für die Restaurierung und Vergoldung des Hauptaltars: pro tabula altaris nostri maioris deauranda atque reformanda. Wir nehmen an, daß es der berühmte 1302 gestiftete Reliquienaltar war, der gewiß unter anderen die Ende des 12. Jahrhunderts erworbenen Ursula-Reliquien enthielt. 650 Gulden für 7 große Leuchter zum Schmuck des Chores: 650 florenos pro septem can-delabris magnis pro ornatu chori ecclesie nostre. (Könnte der in Altenberg vorhandene Osterleuchter einer von diesen sein?) 500 Goldgulden gab Wikbold für das Gut Steinhaus in der Gemeinde Odenthal, das die Abtei 1379 gekauft hatte, dessen Erträge dem Hospital in Altenberg zugute kommen, wodurch ... 7 Gulden für die Beleuchtung an den genannten Festen, z, B. an allen Marienfesten, ausgegeben werden müssen. 40 Gulden stiftete er für die Totenmesse und sein Grab in Altenberg. 200 ungarische Gulden schenkte er ohne besondere Zweckbestimmung offensichtlich beim Bezug des Klosters oder des Altenberger Hofes in Köln. Auch unterstützte er die Abtei bei anderen Bedürfnissen. 800 Gulden wandte er für die Wiederherstellung und den Ausbau des Altenberger Hofes in Köln auf. Das ergibt eine Gesamtsumme von 4710 Gulden." Nimmt man die bekannten anderen Schenkungen noch hinzu, die Wikbold z. B. den Kölner Stiften St. Kunibert, St. Andreas, St. Georg, St. Severin, dem Zisterzienserinnenkloster Marienspiegel oder Sion in Köln oder dem Zisterzienserkloster Himmerod zwischen 1381 und 1390 machte, so beläuft sich die Gesamtsumme auf 11490 Gulden. Ungeklärt bleiben muß wohl die Frage, woher Wikbold dieses Vermögen hatte. Die jährliche Rente von 500 Gulden war zwar beachtlich, sie erklärt aber nicht einen solchen Reichtum. Ob er ein reiches Erbe seiner Eltern angetreten hat, läßt sich heute nicht mehr sagen. Hingegen steht aber unzweifelhaft fest, daß Wikbold durch seine Zuwendungen wesentlich zu der Vollendung und Ausgestaltung der Altenberger Klosterkirche beigetragen hat. Letzteres ist erstaunlich, doch in einer Urkunde von 1395 wird ausdrücklich betont, "daß man eine möglichst große Schar von Gläubigen einladen wolle, auf daß sie der reichen Gnadengaben in Altenberg teilhaftig werden könne. Darum hielten die bildenden Künste Einzug in und an der Klosterkirche: in der Errichtung der Altäre; in der Verkündigungsgruppe draußen über dem Portal; mit dem großen Altenberger Allerheiligenfenster, zu dem Wikbold das Maßwerk stiftete; in der im Giebel draußen das Kloster schützenden Himmelskönigin ... von den Ordensheiligen Benedikt und Bernhard begleitet."

 

 


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4.  Wikbolds Grab in Altenberg

Die Altenberger Mönche wußten die großzügigen Schenkungen Wikbolds durchaus zu würdigen. Aus Dankbarkeit errichteten sie ihm nach seinem Tod ein außergewöhnliches Grabmal in der Mitte des Chorraums, dem ehrwürdigsten Platz im Kirchenraum. Es handelte sich hierbei um ein Hochgrab von ca. 310 x 172 cm Größe und einer Höhe (nach Jongelinus) von etwa 3 Fuß. Das Grabmal galt als das künstlerisch bedeutendste unter den ver-schwundenen Denkmälern des Domes. Es war ringsum mit Messingplatten bekleidet, die Passionsdarstellungen enthielten, auf der Deckplatte, in einer reichen gotischen Umrahmung, war Wikbold in seinem Bischofsornat in fünftürmiger Himmelsarchitektur dargestellt. (Hiervon hat sich glücklicherweise ein Papierabzug erhalten, den der Kölner Konservator Matthias Joseph De Noël noch vor der Vernichtung des Grabes (1821?) ausgeführt hat und der im Kölnischen Stadtmuseum aufbewahrt wird.) Zusammen mit dem goldenen Hauptaltar, dem goldenen Westfenster, den um 1400 etwa 26 Altären spiegelte das goldfarbene Hochgrab Wikbolds nun auch das neue Denken in der Frage der Ausstattung des zisterziensischen Gotteshauses wider. Es ist ein weiter Weg von der zisterzensischen Strenge der Klosterkirche der Zeit um 1275, wie sie sich in der Architektur und den Fenstern des Chores und im Nordfenster zeigt, bis zur Ausstattung um 1400 und weiter zum Barock hin.

 

 


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5.  Die Zerstörung des Grabs in Altenberg

Als nach der Säkularisation und Zweckentfremdung des Klosters und dem damit in Zusammenhang stehenden Brand in den Klostergebäuden im Jahre 1815, der auch die Kirche in Mitleidenschaft zog, Teile der Ausstattung aus dem Dom entfernt wurden, wurde auch das Grab Wikbolds nach über 400 Jahren gestört und schließlich oberflächlich völlig vernichtet. Der 1815 zuständige Odenthaler Pfarrer C. P. Braun, der möglichst viel in Altenberg zu retten suchte und der gegenüber dem Erzbistum auch genaue Mitteilungen über die Zerstörungen in der Kirche machte , vermerkte am 31. Dezember 1815 im Odenthaler Kirchenbuch: ,,Durch Abbrechung eines massiven kupfernen Kreuzes vor dem hohen Altare an der Grabstätte des seligen Wicboldi, Bischofs von Kulm, welcher über 400 Jahre allda begraben liegt, wurde diese Grabstätte aufgerissen, und dieser Bischof mit dem Sarge und Kleidung noch ganz unverwesen gefunden, und von vielen hundert Menschen gesehen worden." Anläßlich der 600-Jahrteier der Weihe des Altenberger Doms im Jahre 1979 forderte bereits Robert Flink in seinem Aufsatz: ,,Unser Jubiläum 1379 - 1979 wäre der rechte Anlaß, dieses bedeutende Kulturdenkmal und künstlerisch vielleicht bedeutendste Grabmal in Altenberg genauer zu untersuchen und zu würdigen und gegebenenfalls wiederherzustellen." Zwanzig Jahre sind seitdem fast vergangen; nichts ist in dieser Richtung bislang erfolgt. Vielleicht bietet aber die Erinnerung an den Todestag Wikbolds vor 600 Jahren heute die Gelegenheit, zumindest die Stelle seines Grabes im Altenberger Dom zu kennzeichnen, zumal im Zusammenhang mit der großen Gesamtsanierung der Kirche hierzu die Umstände besonders günstig wären. Auch wir, die wir heute staunend vor dem Westfenster stehen und die grandiose Architektur des Domes betrachten, sollten uns dankbar an Wikbold von Kulm erinnern oder erinnern lassen, diesen großen Wohltäter Altenbergs.

 

 

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Anmerkung:
Die Übersetzung der umlaufenden Inschrift auf Wikbolds Grab lautet (in der Übertragung nach Flink): "Im Jahre des Herren 1398, am 21. Des Monats Juli, starb der ehrwürdige in Christus Geistlicher und Herr, Herr Wikbold, Bischof von Kulm, dessen Zeiten der Geburt und Bischofsweihe im folgenden Gedicht vermerkt werden: Siehe die Zeit des Frühlings und der Lilie führte mich (am Tage des heiligen) Polykarp (das ist der 26. Januar) in das Exil (in das Jammertal dieser Welt), der ich mit meiner Seele zum Himmel eile. Als Verstorbener höre ich auf zu sein, nachdem ich zweimal den heiligen Namen vollendet hatte und 31 (Jahre) durch die Gnade Gottes (als Bischof) geweiht und mit ihm verbunden war. Der Erde das Irdische (den Leib) zurückgebend, möge aber meine Seele, die für sich allein fortleben kann, jene Stille (der Ewigen Ruhe) schauen."

 

 

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