Altenberger Dom
im Bergischen Land
Nordrhein-Westfalen

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Geschichte

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Die Heilige Ursula
Mitpatronin des Altenberger Domes

 

Wohl die meisten von uns kennen die heilige Ursula aus dem reichen Legendenkranz,der sich vom 9. bis zum 12. Jahrhundert in immer üppigerer Fülle um sie gewunden hat.

Die Legende bietet uns das Heiligenleben ohne Rücksicht auf die historische Wahrheit; sie entfaltet sich um einen Kern des Wirklichen und umgibt ihn mit dem Glanz des Wunderbaren. Aber die Legende ist wertvoll, und wir möchten sie auch heute nicht missen. Sie trägt dazu bei, religiöses Gedankengut fruchtbar werden zu lassen. Unaufdringlich formt sie am inneren Menschen, was einem trockenen Stoff meist nicht gelänge.

 

Nun zur Sankt Ursula-Legende:

Ursula war die Tochter eines edlen, christlichen Königs in Britannien. Der Ruf ihrer Weisheit und Schönheit drang durchs ganze Land. Ein heidnischer Königssohn namens Conan wollte sie um jeden Preis ehelichen. Sie aber hatte sich Christus, dem himmlischen Bräutigam geweiht. Ihr Vater kam darob in große Not, denn eine Absage hätte die Verwüstung seines Reiches durch den Heidenkönig zur Folge gehabt.

In einer Vision wurde Ursula ein Ausweg gezeigt. Sie erbat sich eine Frist von drei Jahren. Conan und ihr Vater Dioneth sollten ihr zehn Gefährtinnen und diesen und ihr selbst je tausend Begleiterinnen und elf Schiffe zur Verfügung stellen.

Die Forderung wurde erfüllt und Ursula bestimmte die ausgewählten Gefährtinnen dazu, gleich ihr ewige Jungfräulichkeit zu geloben. Sie übten sich zur See und nach Ablauf der drei Jahre wurde die ursulanische Flotte während einer Seefahrt nach Tile (an der Rheinmündung) verschlagen und fuhr weiter bis Köln. Hier wurde Ursula im Traum eine Wallfahrt nach Rom befohlen und ihr angekündet, sie alle würden bei der Rückkehr die Krone des Martyriums erlangen.

Die Jungfrauenschar segelte rheinaufwärts bis Basel und wanderte von hier über die Alpen nach Rom zu Papst Cyriakus und wieder zurück nach Basel, wo Bischof Pantalus sie empfing.

Dann bestiegen sie ihre Schiffe zur Fahrt nach Köln. Unterdessen wurde Ursulas Bräutigam in einer Vision aufgefordert, seiner Braut entgegenzufahren. Er würde in Köln mit ihr das Martyrium erleiden. Er traf mit Ursula und ihren Gefährtinnen in Mainz zusammen und ließ sich in ihrem Beisein im Mainzer Dom taufen. Dann fuhren alle rheinabwärts nach Köln. Die Stadt war von Hunnen belagert; sie fielen über die elftausend Jungfrauen her und metzelten sie nieder, weil sie ihre Jungfräulichkeit nicht preisgaben. Als letzte war Ursula übrig. Der Hunnenkönig Etzel, von ihrer Schönheit entzückt, begehrte sie zur Gemahlin. Doch sie schlug sein Angebot aus. Da legte er selbst Hand an sie und schoss ihr einen Pfeil ins Herz. Auch Conan erlitt den Tod. Cordula, eine der Jungfrauen, hatte sich aus Todesangst die Nacht über im Schiffe versteckt, am andern Morgen aber bot sie sich freiwillig dem Martertode. Ein himmlisches Heer, in Gestalt der Märtyrinnen, vertrieb die Hunnen aus Köln. Die befreite Stadt begrub die heiligen Jungfrauen und verehrt sie seither als ihre Schutzheiligen.

Dies ist kurz die Ursula-Legende, die im späteren Mittelalter immer wieder mit neuen Zügen ausgeschmückt und bereichert wurde.

 

Die Ausbreitung der Ursula-Verehrung

Den Hauptaufschwung nahm die Verehrung der Kölner Martyrerinnen seit dem 12. Jh. durch die Erhehung ihrer Reliquien aus dem "Ager Ursulanus". Bei der Erweiterung der Stadtmauer 1106 wurde in der Nähe der Ursula-Kirche ein römisches Gräberfeld entdeckt - der Ager Ursulanus. Man hielt die dort gefundenen Gebeine für die der elftausend Jungtrauen. Diese "Reliquien" gingen seit 1155 vor aus in alle Welt. Dadurch wuchs der Ursulakult im Mittelalter und gelangte u.a. bis nach Italien, Spanien, Dänemark und Portugal. Hauptförderer des Ursulakultes waren die Benediktiner in Köln-Deutz und viele andere Benediktinerklöster; ebenso der Orden der Prämonstratenser. Bedeutende Kirchenfürsten zählen dazu: der hl. Norbert (1120) und der hl. Albertus Magnus (1278). Bei den Zisterziensern. gab es in fast allen Klöstern einen Ursulakult, den sie auch in das ostdeutsche Missionsgebiet und bis nach Polen brachten. Das ehemalige Zisterzienserkloster Altenberg bei Köln soll damals tausend Häupter der heiligen Jungfrauen besessen haben.

Die Reliquienübertragungen aus Köln wurden allmählich so zahlreich, dass Papst Bonifaz IX. sie auf Wunsch der Kölner Bürger Jahre 1392 untersagte.

Im Zeitalter der Reformation verbreiteten die Jesuiten den Ursulakult. So brachte Petrus Canisius (um 1550) Reliquien nach Rom und Sizilien. Andere Reliquien gelangten durch die Jesuiten nach Indien, China und Südamerika.

Zu Beginn des 15. Jh. ließen die Kölner Stadtväter vom Meister Stephan Lochner ein großes Bild mit den Kölner Stadtpatronen in der Form eines Triptychons für die Ratskapelle malen, das heute im Kölner Dom aufbewahrt wird. Auf dem linken Flügel wird die hl. Ursula als Führerin ihrer Gesellschaft dargestellt. Ebenso wurden im 15. Jh. zu Ehren der elftausend Jungfrauen in das Kölner Stadtwappen symbolisch die elf Flammen (Blutstropfen)

Man verehrte die hl. Ursula als Patronin in Kriegszeiten, sie galt als Helferin in der Todesstunde, die ihre Verehrer vor dem Fegfeuer bewahrte; auf Ursulas Fürbitte geschahen Heilungen und Erhörungen. Die hl. Ursula galt als Patronin für eine gute Standeswahl, für Eheleute, Lehrerinnen, Tuchhändler, als Patronin des Wetters (in Kärnten und Südtirol, zur Bewahrung der Reinheit und des Glaubens; vor allem aber ist St. Ursula die Patronin der Jugend. Durch ihre Jungfräulichkeit, ihr Märtyrertum und besonders durch ihre Lehrwürde errang sie eine dreifache Krone. Man nahm an, dass Ursula Tausende junger Herzen durch ihr Wort und Beispiel und durch die Macht ihrer Persönlichkeit für Gott entflammt hat. So wurde sie nicht nur Patronin von Ländern und Städten (u.a. der Junferninseln, die so von Columbus nach seinem Schiff "Santa y las once mil virgines" genannt wurden), sondern auch von Universitäten, wie der Universität von Paris, wo bis ins 18.Jh. der Ursula-Tag als Weihetag begangen wurde, der Universität von Coimbra / Portugal und der rheinischen Abteilung der Wiener Universität.

Man schrieb der hl. Ursula aufgrund ihrer Kennzeichen und ihres in den Legenden gezeichneten Bildes große physische und psychische Kräfte zu. So ist gerade die Rolle der Patronin Ursula im Gesamtzusammenhang von Legende, Reliquienkult und Verbreitung für die persönliche Verehrung nicht hoch genug zu bewerten.

 

Norbert Orthen

 

(Nach: Sr. Gertrud Otto, OSU: Die Legende der heiligen Ursula, Lindenberg: Fink,1997; Frank Günter Zehnder: Sankt Ursula. Legende-Verehrung-Bilderwelt. Köln: Wienand,1985; Sr. Angela: Die heilige Ursula. München: Ars sacra,1957.)

 

 

Bild 1: Oberrheinischer Holzschnitt um 1460/70.

 

Bild 2: Hl. Ursula. Holzschnitt von 1460/70. Mit der Darstellung der Krone der Königstochter wird sie zugleich als Märtyrerin hervorgehoben. Sie hält den todbringenden Pfeil, der heute als ihr Attribut gilt, wie ein Zepter empor.

 

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