Altenberger Dom
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Unter dem Zeichen der Jakobsmuschel

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Altenberg - eine Station auf dem Jakobusweg
 
Verfasser: Dr. Norbert Orthen

 

1. Der Jakobusweg

2. Kennzeichnung des Weges im Rheinland

3. Zur Aufstellung der Stelen

4. Historische Beziehung Altenbergs zum Jakobusweg

5. Texte der Altenberger Stele und Tafel

6. Perspektiven

7. Link zur Internet-Seite
www.deutsche-jakobus-gesellschaft.de
mit vielen weiteren Informationen zum Jakobusweg

 

Im Bereich des Rheinisch-Bergischen Kreises wurden am 25. Juli 1999, dem Namensfest des Hl. Apostels Jakobus, vier Metall-Stelen eingeweiht, die den historischen Weg der Jakobus-Pilger wieder ins Bewußtsein der Bevölkerung rücken sollen.

Die Pilgerreise zum Grab des Hl. Jakobus in Santiago de Compostela war im Mittelalter neben der Wallfahrt nach Rom oder Jerusalem einer der Höhepunkte im Leben eines Christen. Bereits gegen Ende des 10. Jahrhunderts pilgerten Menschen aller Schichten, Männer und Frauen, von allen Enden der damals bekannten Welt nach Santiago, um am Grab des Apostels Gott näher zu sein.

Die Pilger zogen dabei auf Routen, an denen sie in fremder Umgebung Unterkunft und Pflege in Klöstern und Herbergen fanden, und wo sie auch unterwegs andere verehrungswürdige Stätten besuchen konnten. Auf diesem Wegenetz, das z.B. Frankreich und Deutschland engmaschig überspannte, wurden nicht nur die Menschen befördert, sondern mit ihnen auch Ideen und Wissen aus den Bereichen Kunst, Kultur oder Medizin. Ebenso wurde entlang dieser Wege der Handel gefördert, und es erfolgte ein Austausch fremder Sitten und Gebräuche. Die europäische Verknüpfung durch dieses Wegenetz trug daher auf ihre Weise wesentlich zur Formung des Europa bei, wie es uns heute begegnet. Dies war Anlaß für den Europarat, in einer Deklaration vom 23. Oktober 1987 die Erforschung und Sicherung der Pilgerwege im gesamten europäischen Raum anzuregen.

Nachdem in den vergangenen Monaten der Weg als solcher im Bereich des Landschaftsverband Rheinland mit dem stilisierten Symbol der Jakobus-Pilger (ein sechseckiges blau-gelbes Schild mit angedeuteter Jakobs-Muschel - wie es vom Europarat vorgeschlagen wurde -) gekennzeichnet worden war, wurden nun im Kreisgebiet vier Stelen eingeweiht, die sich in eine Kette von insgesamt 23 Stelen einreihen, die im Rheinland den insgesamt 2200 km langen Pilgerweg nach Santiago an markanten Punkten kennzeichnen. Dieser jetzt markierte Wegabschnitt ist Teilstück des Jakobusweges, der von Dortmund nach Aachen und von dort weiter durch Frankreich nach Spanien führt. Für den 1. Projektabschnitt der Markierung des Fernweges sind im Bereich des Rheinlands für den Abschnitt Wuppertal-Beyenburg - Remscheid-Lennep - Wermelskirchen - Altenberg - Bergisch Gladbach-Schildgen - Köln - Widdersdorf - Brauweiler - Düren - Kornelimünster - Aachen vom Landschaftsverband Rheinland insgesamt 90.000 DM aus Mitteln der regionalen Kulturförderung zur Verfügung gestellt worden. Die Stelen sind 1,15 m hoch und bilden ein Lesepult, auf dem Hinweise zum Jakobusweg und zum Standort notiert sind. Die rechteckigen Stelen selbst tragen an den Seiten die Symbole des Europarates, des Landschaftsverbandes, der Jakobusgesellschaft und der Ortsgemeinde, in der die Stele steht.

Die Ausschilderung des alten Pilgerwegs erfolgt als eine gemeinsame Aktion des Landschaftsverbands Rheinland zusammen mit der deutschen St. Jakobus-Gesellschaft e.V. und den beteiligten Städten und Kreisen aus Anlaß des "Añ o Santo 1999".

Die Aufstellung der Stelen erfolgte an Orten, die einen nachweisbaren historischen Bezug zum Jakobusweg haben. Hierzu muß nun allerdings bezüglich Altenberg gesagt werden, dass der historische Weg eigentlich über den Höhenrücken geführt hat, entlang der heutigen Bundesstraße 51, die schon immer ein wichtiger Handelsweg war, nicht jedoch durch die Täler des Bergischen Landes. So ist es völlig richtig, dass auch im nahen Burscheid-Kaltenherberg, an dieser alten und immer noch wichtigen Fernstraße, ebenfalls eine Stele errichtet wurde. Andererseits gibt es für die Aufstellung einer Stele in Altenberg auch einige gewichtige Gründe: Es ist sicher richtig, davon auszugehen, dass in der Vergangenheit das nahe Kloster der Zisterzienser, deren Gastfreundschaft bekannt war, von den Pilgern gerne zur sicheren Rast aufgesucht wurde. Eine heutige Führung des Weges über Altenberg ist daher nicht völlig ohne Bezug, zudem es, wie unten ausgeführt, einen weiteren wirklich engen Verknüpfungspunkt zum Pilgerweg nach Santiago gibt.

Bei der Planung des heute wieder ausgezeichneten Weges wurde berücksichtigt, den Pilgerweg als Wanderweg so zu legen, dass er verhältnismäßig verkehrsunabhängig geführt wurde, landschaftlich interessant ist und markante Punkte am Weg in die Route mit einbezogen wurden.

Dies sind aber nur sekundäre Aspekte; es gibt aber zwischen Altenberg und dem Jakobus-Weg noch eine andere - viel wichtigere - historische Beziehung, der Altenberg, zumindest der Überlieferung nach, seine Entstehung verdankt: Graf Eberhard von Berg, der zusammen mit seinem Bruder Adolf an der Schlacht bei St. Trond am 7. August 1129 teilgenommen hatte, war von diesem Gemetzel so angewidert, dass er beschloß, sein Leben radikal zu ändern und der Welt zu entsagen. Er wallfahrte nach Rom an das Grab der Aposteln Petrus und Paulus und anschließend nach Santiago de Compostela zum Grab des Apostel Jakobus. Auf der Rückkehr führte sein Weg vorbei am Zisterzienserkloster Morimond, das damals kurz nach seiner Gründung im Jahr 1115 in höchstem Ansehen stand. Fasziniert von der jungen Gemeinschaft trat er hier in den Orden ein. Zusammen mit seinem Bruder Adolf bestimmte er schon bald, dass ihr Erbgut Berge dem Orden als Kloster übereignet wurde. Mönche von Morimond zogen in die alte Stammburg Berge ein und errichteten hier am 25. August 1133 ein Kloster, das nur wenige Jahre später ins Tal der Dhünn verlegt wurde. Eberhard selbst wurde Abt in Kloster Georgental bei Gotha, das er 1143 von Morimond aus gründete. Sein Bruder Graf Adolf zog sich um 1137 ebenfalls ins Kloster zurück. Als einfacher Mönch lebte er in dem von ihm mitbegründeten Kloster Altenberg bis zu seinem Tod am 12. Oktober 1152.

Glauben wir also der Überlieferung, so ist die Gründung Altenbergs ohne Eberhards Weg nach Compostela nicht denkbar.

Auf diesem Hintergrund trägt die Altenberger Stele folgenden Text:

 

WEGE DER PILGER IM RHEINLAND
Auf Sanct Jacobs Strassen ...
von Wuppertal-Beyenburg nach Aachen

In der Vorstellung des christlichen Abendlandes wird das Erdenleben als Übergangssituation, als Pilgerfahrt zum Himmlischen Jerusalem betrachtet.

Seit dem Mittelalter haben sich deshalb Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft auf den Weg begeben, um an als "Heilig" ausgewiesenen Orten Gott näher zu sein.

Neben Jerusalem und Rom war Santiago de Compostela, im fernen Nordwesten der iberischen Halbinsel, das bedeutendste Ziel der Pilgerfahrten des europäischen Mittelalters.

Seit dem 10. Jahrhundert ziehen Pilger aus allen Teilen der Christenheit an das Ende der alten Welt (Finis Terrae) um in Santiago de Compostela am Grab des Apostels Jakobus d. Älteren zu beten.

Die Pilgerwege zum hl. Jakobus waren Wege des Kunst- und Kulturaustausches des christlichen Westens und auch der islamischen Zivilisation. Europa wurde durch den Ideen- und Kulturaustausch entlang dieser geistigen und materiellen Leitlinien geformt und gebildet.

Bis in die neuere Zeit hat die Pilgerfahrt zum Grab des hl. Jakobus in Santigo de Compostela im Rheinland tiefe Spuren hinterlassen, die es gilt, zu sichern und als Kulturgut hohen Wertes auszuweisen.

1962 wurde die erste Jakobus-Vereinigung in Europa (Paris) nach dem zweiten Weltkrieg gegründet. Ihr folgten in fast allen europäischen Ländern ähnliche Vereinigungen. 1987 erklärte der Europarat die Wege der Pilger zu allgemeinen europäischen Kulturstraßen.

Der Landschaftsverband Rheinland hat in Wahrnehmung seiner regionalen, kulturellen Aufgabenstellung zusammen mit der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft und den beteiligten Städten und Kreisen die Kennzeichnung der Pilgerwege im Rheinland übernommen.

 

ALTENBERG

Bereits kurz nach 1129 pilgerte Graf Eberhard von Berg nach Santiago de Compostela. Auf seinem Rückweg trat er in das Kloster Morimond als Mönch ein. Von Morimond aus gründeten1133 Zisterziensermönche das Kloster Altenberg.

Schon zu dieser Zeit zogen bereits die Jakobspilger auf der nahegelegenen alten Heer-, Handels- und Pilgerstraße, der heutigen Bundesstraße 51, nach Santiago de Compostela. Der Hauptstrom der Pilger vermied zwar die feuchten Flußtäler und folgte dem Höhenrücken, doch nach Gründung des Klosters mag die sprichwörtliche Gastfreundschaft der Zisterzienser auch manchem Pilger eine wohltuende und sichere Rast abseits der Straße gewährt haben, zumal das Kloster Altenberg schon bald als ein wichtiges geistiges und kulturelles Zentrum des Abendlandes nicht unbekannt war.

Der neu belebte und gekennzeichnete Weg der Jakobspilger durch die Täler von Eifgen und Dhünn bezieht deshalb Altenberg als immer noch geistigen Ausstrahlungspunkt des Bergischen Landes in das Europäische Netz der Pilgerstraßen mit ein.

Im Rahmen kleiner Festakte wurden die Stelen am Nachmittag des Jakobustages eingeweiht. Die Veranstaltung in Altenberg war dabei mit "das spirituelle Movens des Pilgerns" überschrieben. Nach einer kurzen Begrüßung durch Johannes Troche als stellvertretendem Bürgermeister der Gemeinde Odenthal vor Ort, sprach Kaplan Dr. Walter Rasquin von der Kath. Pfarrgemeinde Altenberg einen Gebetstext, weihte die Stele ein und sprach den Pilgersegen.

Eine weitere kleine Hinweistafel zum Jakobusweg befindet sich vor dem Eingang zum Küchenhof. Der Text dieser Tafel lautet:

 

KÜCHENHOF IN ALTENBERG

Bereits kurz nach 1129 pilgerte Graf Eberhard von Berg nach Santiago de Compostela. Auf seinem Rückweg lernte er das Kloster Morimond kennen, in das er dann als Mönch eintrat. Von Morimond aus besiedelten 1133 Mönche die alte Burg Berge, nachdem ihnen Graf Eberhard und sein Bruder Graf Adolf den Stammsitz zur Klostergründung übereignet hatten.

Schon zu dieser Zeit zogen bereits die Jakobspilger auf der nahegelegenen alten Heer-, Handels- und Pilgerstraße, der heutigen B 51, nach Santiago de Compostela.

Der Hauptstrom der Pilger vermied zwar die feuchten Flußtäler und folgte dem Höhenrücken, der Wasserscheide zwischen Dhünn und Wupper zum Rhein, doch nach Gründung des Klosters mag die sprichwörtliche Gastfreundschaft der Zisterzienser auch manchem Pilger eine wohltuende und sichere Rast abseits der Straße gewährt haben, zumal das Kloster Altenberg schon bald als ein wichtiges geistiges und kulturelles Zentrum des Abendlandes den Reisenden nicht unbekannt war. Dem "Küchenhof" als Wirtschaftshof der Zisterzienserabtei Altenberg kam hierbei als Herberge für die Pilger besondere Bedeutung zu.

Der durch den Landschaftsverband Rheinland zusammen mit der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft neu belebte und gekennzeichnete Weg der Jakobspilger bezieht deshalb Altenberg als immer noch geistigen Ausstrahlungspunkt des Bergischen Landes in das Europäische Netz der Pilgerstraßen mit ein.

 

Die historischen, aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gebäude des Küchenhofes zu erhalten und mit neuem Leben zu füllen, hat sich der Aktionskreis Altenberg e.V. zur besonderen Aufgabe gemacht. Im Haupthaus bietet eine einfache bergische Gaststätte den Reisenden, Pilgern oder Wanderern Einkehr und Rast; in den oberen Etagen des Hauses stehen Tagungsräume mit Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung.

Im Pilgersaal veranstaltet der Aktionskreis Altenberg e.V. Ausstellungen, Vorträge usw. auf vielen Gebieten des kulturellen, geistigen und geistlichen Lebens."

Die Kennzeichnung des Jakobusweges im Rheinland ist in dieser Region der erste Schritt nach der Ausweisung des Sauerlandweges. Im süddeutschen Raum sind seit Beginn der 90er Jahre bereits der Frankenweg (Nürnberg - Heilbronn), der Schwabenweg (Ulm - Konstanz) und der Weg von Prag über Nürnberg bis Ulm gekennzeichnet worden, so dass hier ein zusammenhängender Weg von Tschechien über Deutschland bis zur Schweiz existiert, der den verbindenden Charakter des Pilgerweges in Europa deutlich macht.

Es wäre wünschenswert, wenn bald weitere Wege hinzukämen, bzw. der Pilgerweg von Dortmund nach Aachen über Dortmund nach Osten hinaus weiter gekennzeichnet würde, z.B. der Weg über Braunschweig, Magdeburg, Berlin, Stettin nach Danzig oder der Weg von Köln über Erfurt, Leipzig nach Posen und Torun, um nur einige Möglichkeiten zu nennen. Mit Sicherheit sind einige dieser Wege, die ja seit dem 10. Jahrhundert existieren, auch Routen, auf denen einst die Zisterziensermönche in umgekehrter Richtung nach Osten wanderten, um dort neue Tochterklöster zu gründen.

Noch viele weitere Informationen zum Jakobusweg finden Sie bei der Internet-Adresse www.deutsche-jakobus-gesellschaft.de

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Literatur:

Landschaftsverband Rheinland: Wege der Jakobuspilger im Rheinland. Faltblatt zur Ausstellung gleichen Titels im Landschaftsverband Rheinland, Köln, 6. Aug. -5. Sept. 1999.

Plötz, Robert: Auf Sanct Jacobs Strassen ... . Vortrag zur Eröffnung der o.g. Ausstellung am 5.Aug. 1999 (Abdruck erfolgt in: "Altenberger Blätter" Heft 6, 1999).

Herausgeber:
Aktionskreis Altenberg e.V.
Altenberg 1999

Kontaktadresse:
Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft e.V.
Tempelhofer Straße 21
52068 Aachen
Telefon 0241/4790-127
Fax 0241/4790-112
www.deutsche-jakobus-gesellschaft.de

 

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